Berliner Neu-Verleger Holger Friedrich mit dunkler Vergangenheit

Neuer Inhaber der Berliner Zeitung war Stasi-Spitzel

Die »Berliner Zeitung« ist die zweitgrößte Abonnentenzeitung der Hauptstadt. Im September kaufte diese das Ehepaar Friedrich und versprachen sich darüber auch politisch engagieren zu wollen. Nun stellte sich der neue Verleger Holger Friedrich als ehemaliger Stasi-Mitarbeiter heraus.

Vor wenigen Wochen kaufte das bisher vor allem in der IT-Branche tätige Ehepaar Holger und Silke Friedrich den »Berliner Verlag« von der DuMont-Mediengruppe ab. In diesem Zug erwarben sie auch die »Berliner Zeitung«, die zu DDR-Zeiten direkt der SED unterstellt war und heute weiter vor allem im Berliner Osten gelesen die zweitgrößte Abonnementzeitung in der Hauptstadt ist.

Die neuen Eigentümer der Tageszeitung machten dann auch gleich in einem Editorial in ihrem neuen Blatt deutlich, das sie ihren Kauf als »zivilgesellschaftliches Engagement«, als »einen Beitrag zur außerparlamentarischen Opposition in neuem Format, auch im Sinne bürgerlicher Selbstermächtigung« sehen und auf politische Prozesse Einfluss nehmen wollen. Wie das aussehen könnte, vermochte uns der 30. Jahrestag des Mauerfalles in Berlin aufzuzeigen.

Das Ehepaar Friedrich lobte den früheren SED-Staatschef Egon Krenz, da dieser doch als Honecker-Nachfolger im Herbst 1989 entschieden habe, keine Gewalt anzuwenden, somit er »Millionen Menschen selbstbestimmte, positive Lebenswege ermöglicht« habe. Das Krenz in den 90er Jahren wegen der Mauertoten zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt wurde, blieb ausgeblendet.

Unterdessen wurde durch Recherchen der Tageszeitung »Welt am Sonntag« bekannt, dass der neue Zeitungsinhaber Holger Friedrich, der ab 1986 auch SED-Mitglied war, in der DDR während seines dreijährigen Wehrdienstes bei der Nationalen Volksarmee (NVA) unter dem Decknamen »Peter Bernstein« als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) für den Staatsicherheitsdienst tätig war.

Dabei bespitzelte Friedrich als Unteroffizier innerhalb der NVA insbesondere kirchlich orientierte Kameraden und belastete diese offensichtlich teilweise schwer, wie aus der Redaktion von »Welt am Sonntag« vorliegenden Dokumenten der Stasi-Unterlagenbehörde hervorgeht. Die Behörde stellte dem Blatt aus der beantragten Akte 80 von 125 Seiten zur Verfügung. Demnach traf sich Friedrich von Dezember 1987 bis Februar 1989 regelmäßig mit Stasi-Offizieren.

Friedrich hat mit den Unterlagen konfrontiert, bereits vergangenen Freitag die Vorwürfe bezüglich seiner IM-Tätigkeit in einem Beitrag der »Berliner Zeitung« weitgehend eingeräumt und veröffentlichte die von Redaktion der »Welt am Sonntag« an ihn gerichteten Fragen noch vor dieser.

Allerdings behauptet Friedrich in dem Artikel, er sei »nicht aktiv für das MfS tätig« gewesen, was klar im Widerspruch zu den Aktenunterlagen aus der Stasi-Behörde steht. Es finden sich in dem Dossier zwölf überwiegend handschriftlich verfasste Spitzelberichte aus der Feder Friedrichs, in der mehr als 20 Personen in identifizierbarer Weise genannt werden.

Die namentliche Erwähnung der »Verdächtigen« habe den Stasi-Unterlagen zufolge auch dazu geführt, «dass das Ministerium für Staatssicherheit gegen einige der Betroffenen ‚Maßnahmen’ verfügte«. Die Stasi-Unterlagenbehörde gab die Dokumente auch deshalb jetzt für die Journalisten frei, »weil sie Friedrich als ‚Mitarbeiter’ der Stasi einstuft« und es deshalb ein öffentliches Interesse gebe.

Die Chefredaktion der »Berliner Zeitung« erklärte nun am 15. November in einer Stellungnahmen zu Friedrich, dass man an seiner Unabhängigkeit festhalten wolle und betonte die Absicht, sich »sachlich und angemessen mit der Situation« auseinanderzusetzen und weiterhin einen »Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte« zu leisten.

Friedrich steht auch in der Kritik, einen »Jubelbericht« (so schrieb darüber der »Spiegel«) über ein Biotech-Unternehmen in der »Berliner Zeitung« geschrieben zu haben, an dem Verleger als Aktionär beteiligt ist und üppig vergütet im Aufsichtsrat sitzt. Dieses ließ er unerwähnt. Dazu reagierte der Verleger über einen Anwalt, dass er »gegenwärtig keine Veranlassung, sich zu geschäftlichen Interna zu äußern«.


Sven von Storch

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