Shitstorm nach Twitter-Frage »Darf man heute noch 'Neger' sagen?«

MDR setzt Diskussion über Politische Korrekheit ab

Der MDR wollte in einer Radiodiskussion über das Thema Politische Korrektheit sprechen. Kurzfristig wurde diese am Dienstag abgesagt. Das alles, weil die Redaktion für die Sendung auf Twitter auch mit der Frage »Darf man heute noch 'Neger' sagen?« warb.

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) Sachsen sagte kurzfristig eine für Dienstagabend geplante Radiodiskussion zum Thema Politische Korrektheit ab. Laut eigener Darstellung war in der Reihe »#dienstagsdirekt« geplant, mit vier Gästen aus Politik, Publizistik und Wissenschaft zu diskutieren, warum »politische Korrektheit« zu einer »Kampfzone« geworden ist. Es sollte hierbei um »moralische Normen und Tabus in der Sprache und deren Verletzung« gehen.

Hintergrund der plötzlichen Absage war ein Twitter-Eintrag der zuständigen Redaktion unter MDR Sachsen, wo acht Stunden zuvor für die abendliche Sendung mit der Frage »Darf man heute noch 'Neger' sagen?«, und dass um 20 Uhr auch darüber gesprochen werde, geworben wurde.

Daraufhin fühlten sich mehrere bemüßigt, einen Proteststurm mit Rassismus-Vorwürfen beim MDR und in anderen sozialen Netzwerken niedergehen zu lassen, wie man dieses Wort überhaupt noch in Zusammenhang mit einer Frage benutzen könne. Schließlich sagten auch die Linken-Politikerin Kerstin Köditz und dem Soziologen Robert Feustel als zwei von vier Diskussionsteilnehmern ab.

»Das Thema wurde bei einer kurzfristigen Sendungsankündigung mittlerweile in eine Richtung (weiter-)gedreht, die vollends indiskutabel ist«, begründeten das Köditz und Feustel in einer gemeinsamen Erklärung. Sie seien lediglich zum Thema Politische Korrektheit angefragt gewesen. »Unseres Erachtens ist das ein Kampfbegriff der Rechten, und unser Ziel war, ihn nicht unwidersprochen zu lassen«, lassen Köditz und Feustel uns weiter wissen.

Abschließend verwiesen sie in Zusammenhang mit der plötzlich aufgeworfenen Fragestellung auf ihnen zugetragene kritische Stimmen, »die grundsätzlich fragen, warum keine Menschen eingeladen wurden, die selbst von Rassismus betroffen sind«. Beklagt wird auch, dass man auf die anderen Gäste (Hahne, Petry) »freilich keinen Einfluss« hatte.

Der MDR Sachsen teilte in Zusammenhang mit seiner Absage dann auch noch pflichtschuldig mit: »Wir entschuldigen uns für die rhetorisch gemeinte Einstiegsfrage unseres Tweets. Wir haben mit der Überspitzung die Gefühle vieler verletzt«.


Sven von Storch

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