Der Leiter des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung an der Universität Duisburg/ Essen, Haci-Halil Uslucan, warb vor einer Anhörung im Landtag von NRW um mehr Verständnis für türkische und arabische Hochzeitskorsos in Deutschland. Es handele sich bei diesen nicht um Provokationen oder Machtdemonstrationen gegen die deutsche Mehrheitsgesellschaft, erklärte der Professor. »Diejenigen, die ihrer Freude Luft verschaffen, tun dies nicht explizit mit der Absicht, anderen zu schaden.«
Mit der Hochzeit werde in der orientalischen Kultur die sexuelle Beziehung eines Paares als legitim anerkannt. Dies werde traditionell lautstark nach außen kommuniziert, um bösen Gerüchten über deren Beziehungsverhältnis zuvor zu kommen. Dieses stamme aus Zeiten, in denen der Umgang mit Sexualität weit weniger liberal gewesen sei als heute. Der Adressat sei aber die eigene Community, nicht die deutsche Mehrheitsgesellschaft.
Was gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr betrifft, sei das vergleichbar mit Fußballfans, die nach einem gewonnenen WM-Spiel ihrer Mannschaft im Übermut zeitweilig Straßen blockieren. Ebenso solle man türkische Flaggen auf Hochzeitskorsos nicht als Hinweis auf politische Überzeugungen missdeuten. Es müssten schon zusätzliche Insignien wie drei Halbmonde benutzt werden, um daraus eine politische Gesinnung abzuleiten, so Uslucan.
Außerdem könnten Schläge auf die türkische Trommel schon mal eine Lautstärke erreichen, die mit Schüssen aus Schreckschusspistolen verwechselt werden können. Der Großteil der oft sehr großen Hochzeitsfeiern mit 1.000 bis 2.000 Gästen verlaufe friedlich. Bei von ausufernden Autokorsos ausgehenden Gefahren seien geeignete Ansprechpartner im konkreten Einzelfall die Eltern des Brautpaares, die nicht nur die Finanziers der Feiern sind, sondern auch Autoritätspersonen, auf die die jüngeren Gäste in der Regel hören.
Gerade vergangenes Wochenende kam es in Nordrhein-Westfalen wieder zu mehreren Vorfällen mit türkischen Autokorsos mit unzähligen Fahrzeugen, so etwa in Aachen, Stolberg, Würselen und Alsdorf. Kurz zuvor kam es in Köln, Hannover, Menden und auf mehreren Autobahnen zu massiven Behinderungen durch Hochzeitsgesellschaften.
Nur an die eigene Community gerichteter Ausdruck orientalischer Kultur
Integrationsforscher wirbt um mehr Verständnis für Hochzeitskorsos
Immer häufiger gibt es auf deutschen Straßen und Autobahnen Probleme mit türkischen Hochzeitskorsos. Jetzt wirbt der Essener Integrationsforscher Haci-Halil Uslucan um mehr Verständnis dafür. Das ausufernde Feiern sei nicht als Provokation an die deutsche Mehrheitsgesellschaft gerichtet.
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