Carsten Rentzing war seit 2015 evangelischer Landesbischof in Sachsen und zählte zu den ganz wenigen, die noch innerhalb der EKD christlich-konservative Positionen vertreten. So unterstützte er jüngst gerade wieder als einziger EKD-Bischof den »Marsch für das Leben« in Berlin.
Nun wurde der 52-jährige zum Rücktritt gedrängt, nachdem vor vier Wochen bekannt wurde, dass er sich 1989 einer Studentenverbindung, der Alten Prager Landsmannschaft Hercynia zu Frankfurt im Coburger Convent, angeschlossen hatte und in dieser als inaktives Mitglied, als Alter Herr, weiterhin Beiträge bezahlt.
Die Mitgliedschaft in der Studentenverbindung wurde medial öffentlich gemacht und ausgeschlachtet, nachdem sich Rentzing im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen nicht willens zeigte, eine von mehreren Pfarrern geforderte Erklärung der sächsischen Landeskirche gegen die AfD abzugeben. Rentzing betonte stattdessen, dass man den Dialog suchen müsse, denn knapp 30 Prozent der Wählerschaft ließen sich nicht einfach aus allen politischen Diskursen heraushalten.
Eine Gruppe mit dem Namen »Bekennende Christinnen und Christen in Sachsen«, darunter mehrere Pfarrer, hatten schließlich am 27. September eine Online-Petition gegen Landesbischof Rentzing gerichtet, in der sie ihn aufforderten, sich öffentlich und deutlich von allen nationalen, antidemokratischen und menschenfeindlichen Ideologien« zu distanzieren. Auch solle er darlegen, warum er weiterhin Mitglied in der Landsmannschaft sei.
Schaut man in die Zeit zurück, als der gebürtige Berliner Rentzig sich damals noch als Mitglied der CDU der studentischen Landsmannschaft Hercynia anschloss, wird offenkundig, dass noch 1993 die Deutsche Bundespost den Dachverband der Landsmannschaften und Turnerschaften, den Coburger Convent, mit einer Sonderbriefmarke anlässlich seines 125-jährigen Bestehens ehrte. Hochrangige Politiker traten dort regelmäßig als Festredner auf.
Am Wochenende trat der in die Kritik geratene sächsische Landesbischof Carsten Rentzing aufgrund des Drucks innerhalb der EKD zurück. Er habe sein Amt mit dem Wunsch angetreten, die »verschiedenen Positionen innerhalb der Landeskirche wieder einander näher zu bringen«, teilte der 2015 mit knapper Mehrheit gewählte Rentzing in seiner Rücktrittserklärung mit.
Er müsse nun mit großem Bedauern feststellen, »dass die aktuelle Diskussion um meine Person diesem Ziel schadet«. Die Debatte sei nicht nur für ihn, »sondern auch für die gesamte Kirche« eine Belastung. »Um Schaden von meiner Kirche abzuwenden, habe ich mich entschieden, mein Amt zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen«, erklärte Rentzing.
Kurz zuvor waren zusätzlich drei Jahrzehnte alte Texte bekannt geworden, die Rentzing in seiner Zeit als Philosophie- und Theologie-Student im Alter zwischen 22 und 25 Jahren für die konservative Theoriezeitschrift »Fragmente« geschrieben hatte. Unter anderem wird kritisiert, dass er 1991 schrieb: »Dass ein Staat, (...) in dem Feigheit vor Tapferkeit, Selbstverwirklichung vor Freiheit, Leben vor Ehre gilt, dem Untergang geweiht ist, dürfte kaum bezweifelt werden.«
»Die der Kirchenleitung vorliegenden Texte sind als elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich einzustufen«, heißt es nun in der Erklärung der EKD-Kirchenleitung. Rentzig erklärte zuvor noch, er stehe »für konservative Positionen und Werte, die ich in einem langen Entwicklungsprozess für mich als richtig erkannt habe«. Dabei sei sein Glaube prägend gewesen.
»Positionen, die ich vor 30 Jahren vertreten habe, teile ich heute nicht mehr«, stellte er klar. Das genügte aber nicht, um die anderen Theologen gnädig zu stimmen, die ansonsten immer gerne von Vergebung und Nächstenliebe predigen. Immer wieder und wieder wurde er zum Rücktritt aufgefordert.
Bischof Rentzing muss zurücktreten wegen Positionen vor 30 Jahren
EKD verdammt in Sachsen konservativen Landesbischof
Sachsens Bischof Rentzing (52) musste nun als letzter Konservativer an der Spitze einer EKD-Gliedkirche zurücktreten. Vorgeworfen wurde ihm 1989 Mitglied einer Studentenverbindung geworden zu sein sowie als junger Mann in einem kleinen Magazin gesellschaftskritische Texte publiziert zu haben.
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