Rund sieben Monate nach dem gewaltsamen Tod des 35-jährigen Daniel H. in Chemnitz wird am Montag der Prozess gegen einen der Tatverdächtigen begonnen. Dabei muss sich der angeklagte Syrer Alaa S. wegen gemeinschaftlichen Totschlags vor dem Landgericht Chemnitz verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am 26. August am Rande eines Stadtfests gemeinsam mit einem noch flüchtigen Mitbeschuldigten mehrfach mit Messern auf das Opfer eingestochen zu haben.
Am Montag soll zum Auftakt des Prozesses zunächst einmal die Anklage verlesen werden. Darüber hinaus war geplant, einen Zeugen zu vernehmen, der als Nebenkläger auftritt. Er war bei dem Angriff in Chemnitz verletzt worden. Auch die Mutter und die Schwester von Daniel H. treten in dem Prozess als Nebenkläger auf.
Die Gewalttat hatte in Chemnitz eine Reihe von Demonstrationen und Protesten ausgelöst, die bundesweit für Schlagzeilen sorgten. Die Verhandlungen finden im Oberlandesgericht in Dresden, was das Landgericht Chemnitz mit dem großen öffentlichen Interesse und den Sicherheitsanforderungen begründete. Die Prozesstermine sind bislang bis Ende Oktober anberaumt.
Die Oberbürgermeisterin der Stadt, Barbara Ludwig (SPD), blickt angespannt auf das Verfahren. »Ich hoffe, dass mit dem Prozess die Umstände der Tat öffentlich werden«, sagte diese gegenüber Journalisten. »Ich hoffe aber noch mehr, für die Familie des Opfers, dass es eine Verurteilung gibt, damit die Angehörigen Ruhe finden können«, fügte Ludwig an.
Ludwig äußerte sich besorgt über einen möglichen Freispruch des 23-jährigen Angeklagten. »Dann würde es schwierig für Chemnitz«, sagte sie. »Aber so wäre der Rechtsstaat.« Einen politischen Druck auf das Gericht bestritt die SPD-Politikerin. »Die Justiz ist unabhängig. Und sie ist jetzt genau der Ort, wo Strafverfolgung stattfinden muss. Dort, nicht auf der Straße«, mahnte die Oberbürgermeisterin.
Die Beweislage wird in sächsischen Justizkreisen als »sehr dünn« beschrieben. Vom angeklagten Alaa S. haben sich weder am mutmaßlichen Tatwerkzeug, einem Messer, noch an der Kleidung des getöteten Daniel H. DNA-Spuren finden lassen, so dass solche möglichen Indizien also für einen Schuldnachweis ausfallen. Daher ist es problematisch, dass der zweite Tatverdächtige Farhad A. fehlt.
Es bleibt aktuell fast nur Al N.s Aussage. Nach dessen Schilderung hat Alaa S. Daniel H. im Schwitzkasten gehalten und geschlagen, was laut rechtsmedizinischem Gutachten zu den festgestellten Verletzungen passt. Jedoch steht nicht zweifelsfrei fest, ob der Zeuge Stich- oder Schlagbewegungen gesehen hat oder haben will. Aus Justizkreisen wird bereits verlautet, dass er seinen Bericht teilweise widerrufen haben soll.
Prozessauftakt nach tödliche Messerstiche an Daniel H.
Chemnitzer Bürgermeisterin fürchtet Freispruch für Alaa S
Diesen Montag ist Auftakt für den Prozess gegen einen Syrer, der verdächtigt wird, am 26. August 2018 in Chemnitz Daniel H. erstochen zu haben. Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Ludwig zeigt sich besorgt, dass die Verhandungen mit einem Freispruch enden könnten.
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