Kulturbarbarei bei türkischen Luftangriffen wie beim IS

Türkische Armee zerstört antiken Tempel Ain Dara in Nord-Syrien

Den Kurden gelang es, die Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) aus Nord-Syrien zu vertreiben. Jetzt geht dort die türkische Armee gegen die Kurden vor - und zerstörte, wie man es vom IS kannte, bei Luftangriffen auch den 3000 Jahre alten Hethiter-Tempel Ain Dara.

Freie Welt

Die türkische Armee setzte ihre Angriff gegen die syrischen Kurden mit aller Härte fort. Bei Luftangriffen auf die nordsyrische Region Afrin wurden nicht nur 25 Zivilisten getötet, darunter mehrere Kinder, sondern auch ein antiker Tempel zerstört.

Die türkischen Streitkräfte versuchten ihre Luftangriffe aus der Nacht zu Montag als eine »Neutralisierung« von »Mitgliedern von Terrororganisationen« zu rechtfertigen. Immer häufiger wird aus Ankara der Begriff »neutralisieren« für das Töten von Menschen benutzt.

Bereits seit zehn Tagen geht die Türkei gegen die im Kampf gegen die Terrormiliz »Islamischer Staat« mit den USA verbündeten Milizen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) vor, welche die Region Afrin im Nordwesten Syriens kontrollieren. Dazu hat sie auch mit Bodentruppen die syrische Grenze überschritten.

Ankara betrachtet die YPG als einen syrischen Zweig der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die seit Jahrzehnten gegen den türkischen Staat kämpft. Sie wertet die YPG-Präsenz an der türkischen Südgrenze als Bedrohung.

Von Seiten der türkischen Militärs hieß es, dass seit Beginn der Offensive am 20. Januar 597 gegnerische Kämpfer »neutralisiert« wurden. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte spricht von Dutzenden zivilen Todesopfern.

Die syrische Antikenbehörde beklagte, dass bei den türkischen Luftangriffen am Wochenende ein 3000 Jahre alter hittitischer Tempel in Afrin schwer beschädigt wurde. Die aus der aramäischen Ära zwischen 1300 und 700 vor Christus stammende Tempelanlage von Ain Dara ist mehrfach bombardiert worden. Die Anlage sei zu 60 Prozent zerstört.

Der frühere syrische Antikendirektor Maamun Abdulkarim berichtete, der Tempel sei 1982 entdeckt worden und bekannt für seine »außergewöhnlichen kolossalen Basaltlöwen«. Abdulkarim kritisierte, dass »3000 Jahre Zivilisation bei einem Luftangriff zerstört wurden. Er verglich die Zerstörung mit der Sprengung des Bal-Tempels in Palmyra durch die Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS).

In der Türkei selbst wurden laut Innenministerium 311 Personen festgenommen. Vorgeworfen wird ihnen, »terroristische Propaganda« verbreitet und die Militäroffensive untergraben zu haben. Die Organisation »Reporter ohne Grenzen« hat die Festnahmen als Teil einer »Hexenjagd gegen Kritiker« der Militäraktion kritisiert.

Sven von Storch

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