Weil er Gegnern vorwarf, den Koran für Wahlkampfzwecke zu missbrauchen

Gouverneur von Jakarta wegen Gotteslästerung inhaftiert

Der christliche Gouverneur im indonesischen Jakarta muss zwei Jahre in Haft. Um seine Wiederwahl zu verhindern, zitierten Muslime eine Sure, dass man keinen Christen als Freund und Anführer haben dürfe. Er warf diesen Missbrauch des Koran vor und kassierte ein Urteil wegen Blasphemie.

Freie Welt

In Indonesien wurde der 50-jährige Gouverneur der Hauptstadt Jakarta, Basuki Tjahaja Purnama, zu zwei Jahren Haft verurteilt. Für die fünf Richter hat sich der christliche Politiker der Gotteslästerung durch für sie abfällige Bemerkungen über den Islam schuldig gemacht.

Der Hintergrund: Im Wahlkampf betonte der Politiker, der in der Stichwahl zur Wiederwahl für das Gouverneursamt einen muslimischen Gegenkandidaten hatte, dass man den Koran nicht für Wahlkampfzwecke missbrauchen dürfe und natürlich auch Muslime für einen Nicht-Muslim wie ihm stimmen dürfen.

Damit reagierte er auf politische Gegner von der islamischen »Verteidigungsfront«, die den Koran zitierten, um seine Wahl zu verhindern. Diese bedienten sich einer Sure, in der es heißt: »Ihr, die ihr glaubt: Nehmt nicht die Juden und die Christen zu Freunden!« Dabei wird das letzte Wort manchmal auch mit »Führer« oder »Schutzherren« übersetzt.

Daraufhin gingen in der Metropole Jakarta eine halbe Million Muslime auf die Straße, protestierten gegen den Politiker, welcher der 20 Millionen umfassenden christlichen Minderheit im mehrheitlich muslimischen Indonesien mit seinen 200 Millionen Einwohnern angehört, und forderten lautstark seine Bestrafung wegen Gotteslästerung.

Purnama beteuerte auch während des Prozesses, lediglich die missbräuchliche Verwendung von Koranversen durch seine politischen Gegner kritisiert zu haben. Man habe die Koranverse sinnentstellt ausgelegt, um die Wähler von der Stimmabgabe für ihn abzuhalten.

Der Vorsitzende Richter Dwiarso Budi Santiarto erklärte, die Vorwürfe gegen Purnama seien glaubhaft. Richter Abdul Rosyad begründete das harte Strafmaß damit, der Angeklagte habe sich »nicht schuldig gefühlt« sowie mit seiner »Angst geschürt und Muslime verletzt«.

Das Gericht ging mit seinem Urteil über zwei Jahre Gefängnis weiter als der Antrag der Staatsanwaltschaft, die ein Jahr Haft auf Bewährung forderte. Der  auch unter dem Spitznamen Ahok bekannte Purnama kündigte an, in die Berufung zu gehen.

Mehr dazu unter dw.com

Sven von Storch

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