Die norddeutschen Bundesländer führten in diesem Jahr den Reformationstag als arbeitsfreien Feiertag an, der in den östlichen Ländern mit Ausnahme Berlins schon seit 1990 ein solcher war. Auch in Berlin war mit der Initiative in Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein für den 31. Oktober eine entsprechende Debatte losgetreten. Schon lange störte es in einer so eng verbundenen Region wie Berlin-Brandenburg viele Familien, dass man am Reformationstag auseinander gerissen wurde, je nachdem auf welcher Seite der Stadtgrenze man wohnt oder arbeitet. Die Ferien in beiden Bundesländern sind einheitlich, bei diesem Feiertag gibt es einen Unterschied.
Das interessiert alles nur den rot-rot-grünen Berliner Senat nicht. Für das Linksbündnis kam ein religiös begründeter Feiertag nicht in Frage. Man begründete es damit, dass sich nur noch 37 Prozent zum Christentum bekennen. Dabei sind das sogar mehr als in vielen anderen der östlichen Bundesländer, wo der Reformationstag gilt. Krampfhaft suchte die Senatskoalition einen anderen Feiertag und ließ etliche Vorschläge kursieren. Nur eines machte man dabei nicht, die Meinung der Berliner zu berücksichtigen. In Umfragen lag der Reformationstag vorne. Daneben wurde der 9. November als Tag des Mauerfalls und der 17. Juni als Tag des Volksaufstands in der DDR favorisiert.
Am Ende einigten sich SPD, Linke und Grüne auf den aus der sozialistischen Tradition von Clara Zetkin (KPD) stammenden Internationalen Frauentag am 8. März und begaben sich damit in eine Gesellschaft mit Staaten wie Kuba, Nordkorea, Vietnam und Weißrussland, wo dieser auch als Feiertag begangen wird. Selbst in der DDR war dieser nicht arbeitsfrei, wurde aber mit großen Aufmärschen und markigen Reden begangen. Schon im kommenden Jahr soll das Datum arbeitsfrei sein. Warum ausgerechnet nur in Berlin der Frauentag frei sein soll, kann der Senat nicht erklären. Einen besonderen Bezug zur Stadt gibt es nicht. Sein Ursprung liegt in einem Frauenkongress der Sozialistischen Internationalen in Kopenhagen. Die in Sachsen geborene Clara Zetkin hielt sich jenseits ihres Reichstagsmandats wenig in Berlin auf.
Man fragt sich auch, was in Zeiten propagierter Gleichberechtigung ein Frauentag soll, der nicht mehr anspricht als der Reformationstag. Frauen machen die Hälfte der Gesellschaft aus. Im Westen Berlins kann man mit dem Frauentag allerdings auch fast 30 Jahre nach dem Fall der Mauer nichts wirklich anfangen und im Osten spricht er eher die im linken Milieu an. Wenn es einen Frauentag gibt, müsste es faktisch diskriminierungsfrei ebenso den Internationalen Männertag am 19. November als Feiertag geben. Da wären wir bei zwei neuen Feiertagen. Und die gibt es tatsächlich. Der rot-rot-grüne Senat ließ jetzt am Dienstag die Katze aus dem Sack und kündigte gleich neben dem 8. März einen weiteren Feiertag an.
Der 8. Mai, der Tag der deutschen Kapitulation 1945, wird 2020 in Berlin einmalig zum arbeitsfreien Feiertag. Eine entsprechende Gesetzesänderung will man am Donnerstag ins Parlament einbringen. Mit dem 8. Mai soll im übernächsten Jahr an das Ende des Zweiten Weltkriegs als »Tag der Befreiung« gedacht werden. An dem Datum jährt sich die Kapitulation der Wehrmacht zum 75. Mal. Die SED-Erben von der Linkspartei hatten bereits seit mehreren Jahren gefordert, den Tag dauerhaft als Feiertag zu begehen. Man fühlt sich dabei offenbar ganz der Tradition der DDR verpflichtet, wo der 8. Mai auch lange ein gesetzlicher arbeitsfreier Tag war. Im Westen hingegen sorgte der Terminus »Tag der Befreiung« jahrzehntelang für Kopfschütteln, weil für viele in Deutschland sich damit eine neue Unfreiheit unter der sowjetrussischen Besatzungsmacht verband.
Rot-Rot-Grün beschert nach Frauentag noch einen zusätzlichen Feiertag
Berliner sollen 2020 Tag der Befreiung feiern
In der Bundeshauptstadt will der rot-rot-grüne Senat die Berliner mit immer mehr Feiertagen beglücken, die in der DDR eine große Rolle spielten. Nach dem Frauentag am 8. März soll 2020 auch der 8. Mai als »Tag der Befreiung« arbeitsfrei werden.
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