Der von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ausgegebene Bildersturm in Einrichtungen der Bundeswehr macht auch vor Flaggen des Roten Kreuzes nicht mehr halt. Im Bundeswehr-Krankenhaus von Westerstede (Niedersachsen) wurde im Erdgeschoss des Hauptgebäudes eine hinter einem Glasrahmens befindliche Traditionsflagge abgehangen.
Es handelt sich in der Darstellung um eine ganz gewöhnliche Flagge, wie sie auch heute weltweit von der Wohlfahrtsorganisation verwendet wird, mit dem bekannten Symbol des Roten Kreuzes auf einem ursprünglich weißem, über die Jahrzehnte entsprechend vergilbtem Grund, die natürlich starke Gebrauchsspuren aufweist.
Der einzige Hintergrund, dass sie entfernt wurde: Sie markierte Mai 1945 den letzten Truppenverbandsplatz von Sanitätern der Wehrmacht nahe des Reichstags in der Endschlacht um Berlin, wo verwundete Soldaten versorgt wurden. Nach dessen Übergabe an die Rote Armee wurde sie geborgen und landete irgendwann in Niedersachsen.
Seit Jahrzehnten hing die Flagge im besagten Bundeswehr-Krankenhaus samt einer Erläuterungstafel zu ihrer historischen Bedeutung, bis sie nun am Freitag in Folge einer Anordnung von Generalinspekteur Volker Wieker, alle Kasernen und Liegenschaften der Bundeswehr nach Wehrmachtsandenken zu durchsuchen, entfernt wurde.
In den Bundeswehr-Kasernen wird derzeit alles an Bildern, Bildern, Waffen, Uniformen und Orden entfernt, was einen Bezug zum Militär zwischen 1933 und 1945 hat, selbst wenn es Teil größerer historischer Sammlungen ist, die auch die Zeit davor und danach mit entsprechenden Exponaten darstellen. Dieses gilt auch für Geschenke anderer Einheiten, selbst ausländischer.
Ein ganz neuer Erlass ordnet jetzt sogar zudem an, dass in sämtlichen Zimmern der Bundeswehr keine Fotos mehr von Verwandten oder Vorfahren gezeigt werden dürfen, auf denen diese in Wehrmachtsuniformen abgebildet sind. Damit dürfte man dann auch ein Problem bekommen, wenn es sich um jene mutigen Wehrmachts-Offiziere um Graf von Stauffenberg handelt, die am 20. Juli 1944 ein Attentat auf Hitler verübten.
Im Ausbildungszentrum Infanterie Hammelburg wurde jetzt ein Wandbild von Generalfeldmarschall Erwin Rommel übermalt, der zwar als »Wüstenfuchs« für NS-Propagandazwecke missbraucht wurde, aber letztlich einen klaren Bruch zu Hitler vollzog. Rommel wurde kraft seiner Kontakte zum Stauffenberg-Kreis nach dem Attentat vom 20. Juli von Hitler-Getreuen zum Selbstmord gezwungen, da die Nationalsozialisten ihn sonst dem Volksgerichtshof überstellt und seine Familie in Sippenhaft genommen hätten.


Add new comment