IGLU-Studie offenbart immer schlechtere Leistungen deutscher Schüler

Jeder fünfte Viertklässler kann nicht mehr richtig lesen

Die neue Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) untersuchte in 58 Staaten die Lesekompetenz von Viertklässlern. Erschreckend: Deutschland fiel im internationalen Ranking nochmals weiter ab. Fast jedes fünfte Kind hat Leseschwächen.

Freie Welt

Einst war Deutschland in Sachen Bildung ein Leuchtturm und galt weltweit als Vorbild, doch davon ist man unterdessen immer weiter entfernt. Bundesweit schafft jedes fünfte Kind am Ende der Grundschule nicht einmal mehr elementare Leseleistungen.

Der Anteil der Viertklässler, die kaum lesen können, ist seit 2011 von 15,4 auf 18,9 Prozent gestiegen. »Das sind die Kinder, die immer weitergereicht werden und dann als 15-Jährige in den PISA-Tests schlecht abschneiden«, stellt Bildungsforscher Wilfried Bos von der Technischen Universität Dortmund fest. »Es ist eine einzige Schande«, klagt dieser.

Bos reagiert damit auf das am Dienstag in Berlin vorgestellte Ergebnis der neuen Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU). Die Schere zwischen guten und schlechten Schülern geht immer weiter auseinander. Bei den Werten spielt hinein, dass jedes dritte Kind mittlerweile mindestens ein aus dem Ausland stammendes Elternteil hat.

Der Schulerfolg hängt immer mehr vom Elternhaus ab. Bei Familien in Deutschland mit mehr als 100 Büchern zuhause ist der Anteil gegenüber Familien mit weniger Büchern höher als in fast allen 47 Vergleichsländern.

Laut der IGLU-Studie verhelfen Schulen den Kindern aus sozialschwächeren Elternhäusern noch weniger zum Erfolg als frühere Erhebungen aufzeigten. Immer mehr Kindern gelingt es nicht, zum Ende der Grundschule so gut zu lesen, dass sie auch kleine Texte inhaltlich verstehen. Daher fällt Deutschland immer weiter zurück.

Zwar liegt man mit den jetzt vorgelegten Zahlen noch über dem internationalen Mittelwert, doch während 2001 nur vier Staaten besser als Deutschland waren, sind es 2016 schon zwanzig. Angeführt wird die IGLU-Studie mittlerweile von Russland, gefolgt von Irland, Finnland und Polen. Im ebenso deutschsprachigen Österreich beträgt der Anteil der Viertklässler, die nicht richtig lesen können, lediglich 15,6 Prozent.

Die Chance auf eine Gymnasialempfehlung lag für Kinder aus oberen Schichten 2,6-mal so hoch wie bei sozial schwächeren Elternhäusern. 2016 war sie bereits 3,4-mal so hoch. Stammen die Eltern aus dem Ausland, beträgt der Unterschied der Leseleistung ihrer Kinder im Schnitt ein ganzes Schuljahr.

Schon der im Oktober veröffentlichte »IQB-Bildungstrend« der Kultusministerkonferenz zeigt deutliche Unterschiede in der Leseleistung zwischen einzelnen Bundesländern. Besonders viele schlechte Leser fanden sich unter den Viertklässlern in Berlin und Bremen, während Sachsen, Bayern und Schleswig-Holstein Bestwerte hatten. NRW lag leicht unter dem Durchschnitt.

Mehr dazu unter spiegel.de

Sven von Storch

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