Für den vermeintlichen Klimaschutz soll jahrtausendealtes Brauchtum weichen

Grüne fordern Osterfeuer-Verbot

Wenn es um CO2-Emissionen und Feinstaub geht, kennen die Grünen selbst bei schon im 8. Jahrhundert verbürgtem Brauchtum kein Pardon. In Norderstedt will die Partei jetzt ein Verbot von einmal jährlich stattfindenden Osterfeuern durchsetzen.

Zum Osterfest ein Osterfeuer abzubrennen, zählt in mitteleuropäischen Landen zu den uralten Traditionen. Meist am Vorabend zu Ostersonntag kommt man in Gemeinden an hoch aufgetürmten lodernden Holzstößen aus Baum- und Strauchschnitt zusammen, um auf diese Weise in den Frühling zu starten. Heidnischen Ursprungs wurde es schon 751 nach Christus in Briefwechseln zwischen dem deutschen Missionar Bonifatius und Papstes Zacharias erwähnt. Erster war sich unschlüssig, wie man damit umgehe, doch die Botschaft war die »Passahfeuer« weiter laufen zu lassen.

Fast 13 Jahrhunderte später sagen jetzt die Grünen dem Osterfeuer den Kampf an. Wenn es um das Klima geht, gibt es bei der Ökopartei keinen Spaß. Überall wittern sie als selbsternannte Weltretter CO2-Emissionen und Feinstaub sowie andere Giftstoffe, denen durch Verbote der Garaus gemacht werden muss. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis irgendwann von den Grünen das Atmen zu reglementieren gefordert wird, weil dabei jeder Mensch CO2 ausstößt. Auch das Fegen von Straßen ließe sich verbieten, weil dabei Feinstaub aufgewirbelt wird.

Im schleswig-holsteinischen Norderstedt, nahe der Metropole Hamburg, soll es von diesem Jahr an nur noch an drei bis vier offiziellen und von der Feuerwehr kontrollierten Großfeuern möglich sein ein Osterfeuer zu entzünden. Allen Privatleuten, die auf dem heimischen Grundstück oder Acker ein Feuerchen entzünden wollen, wollen die Grünen es verbieten. Deren Fraktionschef Marc Muckelberg beantragte, dass vom Ordnungsamt der Stadt in diesem Jahr keine Genehmigungen für private Osterfeuer mehr erteilt werden. Jährlich würden bisher bis zu 180 Feuer in der Stadt genehmigt.

Für Muckelberg solle ab sofort im gesamten Raum Norderstedt eine Stadtverordnung über die Benutzung von Feuer und brandgefährlichen Geräten im Freien in allen Punkten Anwendung finden. Dabei argumentiert er damit, dass es auch Beschwerden von Anwohnern gegeben habe, die sich immer wieder über die Feuer beklagten. Zudem würden einige Osterfeuer dazu missbrauchen, Gartenabfälle und sonstigen Unrat abzufackeln, die eigentlich viel mehr einem Recyclinghof zuzuführen wären.

Der Grünen-Fraktionschef sieht aber am schwersten wiegend die die Luftverschmutzung durch die Feuer. Die CO2-Emissionen und Giftstoffwerte der Luft seien über Ostern deutlich erhöht. »Selbst für Laien ist dies mit allen Sinnen zu spüren, zu riechen, zu schmecken und zu sehen«, erklärt Muckelberg in der Begründung seines Antrags, der an diesem Mittwochabend zur Abstimmung gestellt wird. »Gerade bei den derzeitig kontroversen Grenzwertdiskussionen dürfen wir uns nicht dazu verführen lassen, abzuwarten und die massiven Problemlagen zu ignorieren.«

Zum Glück könnte einen Grenzwert in dieser Debatte immer noch der Wählerwillen setzen. Die Grünen stellen mit ihren 13,8 Prozent lediglich fünf der 39 Mandate. Bei CDU und SPD, welche die Mehrheit im Rathaus innehaben, stößt das rigorose Ansinnen wie auch bei anderen Fraktionen bisher nicht auf allzu große Zustimmung. Nun ist die 80.000 Einwohner-Gemeinde Norderstedt nicht der Nabel der Welt, es zeigt aber wie die Grünen immer mehr mit Verboten in den gelebten Alltag der Menschen eindringen wollen.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.