Warnung vor Diffamierung unter dem Islamophobie-Vorwurf und »Eurabia«

Bassam Tibi kritisiert Selbstzensur beim Thema Islam

Der Göttinger Islamwissenschaftler Bassam Tibi warnt davor, unter dem Vorwurf der Islamophobie »jede kritische Diskussion über Islam und Islamismus im Keim zu ersticken«. Dabei zeichnet er auch ein Bild, wie sich Deutschland zu verändern droht.

Der deutsch-syrische Islamwissenschaftler Bassam Tibi übte in der Basler Zeitung in einem Gastkommentar deutliche Kritik an den »vorherrschenden Narrativ erzwungener Einschränkungen des Grundrechts auf Rede- und Wissenschaftsfreiheit« in Bezug auf die Islam-Debatte. Dazu gehöre laut Tibi auch der Vorwurf der Islamophobie.

»Dieser Begriff wurde im Iran Anfang der 1980er Jahre geschmiedet, um jede kritische Diskussion über Islam und Islamismus im Keim zu ersticken; er wurde als Vorwurf instrumentalisiert und von den Linken übernommen«, sagte der in Damaskus geborene und seit 1962 in Deutschland lebende Sozialwissenschaftler.

Der 74-jährige Professor erinnert in dem Zusammenhang auch an den französischen Schriftsteller Pascal Bruckner, der von einer erfundenen Islamophobie sprach, deren zentrales Opfer jene seien, die die beklagte Bestrebung, das Thema »islamische Zuwanderung und ihre Folgen« zu tabuisieren, nicht mitmachen.

Tibi verwies auf eine statistische Prognose des amerikanischen PEW-Center, wonach der »Anteil der Muslime in der Bundesrepublik von 6,1 Prozent im Jahre 2016 auf 20 Prozent im Jahre 2050 steige«. »Als Syrer und Muslim habe ich keine Einwände, wenn diese Menschen Europäer werden und nicht die Konflikte und die Gewalt in Nahost mit nach Deutschland bringen. Fakt ist, dass die arabischen Flüchtlinge Deutschland verändern, und nicht umgekehrt.«

Wenn er in vielen deutschen Städten auf öffentlichen Plätzen die zugewanderten »neuen Deutschen« Arabisch sprechen höre, müsse er immer an das Buch der jüdischen Publizistin Bat Ye’or »Eurabia« denken. Dabei sei das leider ein störendes, primitives Arabisch. »Das Arabisch, das ich heute in Europa höre, ist nicht die Sprache gebildeter syrischer Ingenieure und Ärzte, die uns die Vertreter der Willkommenskultur vorgaukeln. Ich höre ein bäuerliches beziehungsweise ein Slum-Arabisch«, stellt Tibi fest.

In dem Buch »Eurabia« wundert sich Ye’or, dass europäische Medien eine Willkommenskultur propagieren. »Muslimische Migranten, die nach Europa strömen, werden als Schöpfer von Eurabia begrüßt.« Die Bedrohung werde also gar nicht wahrgenommen. Laut der jüdischen Schriftstellerin sei Eurabia letztlich das Resultat von »Europas Islamisierung«.

Sie als Jüdin störe sich daran, dass in Eurabia eine Kombination von Antiamerikanismus und Judenhass zum Ausdruck komme. »Antisemitismus ist das Gesicht des künftigen muslimischen Eurabia«, warnte Ye’or.  Schlimm sei dabei, dass Kritiker mit üblen propagandistischen Mitteln gebrandmarkt werden.

»Jede Zurückhaltung gegen den steigenden Zustrom muslimischer Migranten von arabischen und muslimischen Ländern nach Europa werde als Rassismus gebrandmarkt und diffamiert«, beklagte die britische Staatsbürgerin Bat Ye’or, die 1933 als Gisèle Littman geboren wurde.

Tage zuvor warnte Tibi bereits in einem Interview in der »Rheinischen Post«, dass rund 90 Prozent der Muslime in Deutschland in Parallelgesellschaften leben. »Die meisten möchten auch gar nicht dazugehören«, erklärte der emiritierte Professor.

Die Verantwortung dafür trügen nicht nur die Einwanderer, sondern auch die Deutschen und ein falscher Integrationsbegriff, der bürokratisch auf »Registrierung, Alimentierung, häusliche Unterbringung, bestenfalls Sprachkurse« ausgelegt sei. »Integration heißt aber, dass man eine Bürgeridentität annimmt. Zu einer Heimat gehört Identität. Wenn dieser Faktor ausgeschlossen wird, bleibt nichts«, sagte Tibi.


Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.