Weder ökonomisch noch nachhaltig

70.000 Tonnen giftiger Schrott_ Der Atommüll der Windkraftindustrie

Das Umweltbundesamt warnt in einer Studie vor einem Entsorgungsproblem für die Windkraftindustrie. Die Betreiber redeten das Problem bisher klein.

Bereits vor einem Jahr hatte der führende Entsorgungskonzern Remondis öffentlich gewarnt, der Energiewende stünde ein Entsorgungsproblem ins Haus. Die Betreiber der Anlagen kümmerte das nicht. Jetzt warnt das Umweltbundesamt in einer Studie vor den Resten der Rotorblätter – und nicht nur vor denen.

Dass die Windkraftanlagen irgendwann, wie man so sagt, den Geist aufgeben, wurde von der Windkraftindustrie und ihrer Lobby insbesondere bei den Grünen lange Zeit ignoriert. Sie bepflasterten Deutschland großflächig mit ihren Propellern. Die ersten Hinweise auf ein Entsorgungsproblem kommentierte der Präsidenten des Bundesverbandes Windenergie, Hermann Albers: »Die Sorge, künftig vor Bergen alter Rotorblätter zu stehen, sind mehr als unbegründet.«

Doch in den nächsten Jahren werden die Unternehmen und ihre Politiker von den Realitäten eingeholt. Die Anlagen müssen erneuert oder abgebaut werden. Ein von der Windkraftindustrie verursachter Müllberg nimmt Gestalt an. Allein im Jahr 2021 sind es demnach mehr als 50.000 Tonnen sogenannte GFK-Verbundwerkstoffe – Stoffe, die besonders schwer oder auch gar nicht recyclebar sind. Bis zum Jahr 2038 kann der Abfallberg in der Spitze auf mehr als 70.000 Tonnen pro Jahr ansteigen; wohlgemerkt pro Jahr. Da es in Deutschland nur eine einzige spezialisierte Verwertungsanlage für solche Abfälle gibt, hat die Windindustrie ein Abfallproblem.

Nun tritt ein, was vor einem Jahr prophezeit worden ist: »Wir stellen mit massiven Subventionen Windräder auf, aber niemand hat sich Gedanken darüber gemacht, was danach mit den Anlagen passiert« erklärte vor einem Jahr der Remondis-Geschäftsführer Herwart Wilms. Bei einigen Werkstoffen sei »unter vernünftigen ökonomischen Bedingungen eine Aufbereitung kaum zu schaffen«. Weil die Windindustriellen schon vorher nicht über den Abfall und seine Beseitigung nachgedacht haben, haben sie kaum finanzielle Rücklagen gebildet. Und als sei das nicht genug, fordert das Umweltbundesamt die umfassende und umweltverträgliche Beseitung der Windradanlagen mit Stumpf und Stil. Sprich: Auch die Betonsockel müssen zurückgebaut werden.

Um sich Finanzieren zu können, tritt die Windkraftindustrie mit neuen Forderungen der Politik gegenüber. Mit größeren Anlagen will sie sich refinanzieren. Dafür aber sollen etliche Auflagen beim Bau der Propeller verschwinden. Die Grünen haben schon deutlich gemacht, sie dabei unterstützen zu wollen.

Die aktuelle Situation spricht Bände über die Nachhaltigkeit der Windkraft und überhaupt der Energiewende als ganzes. Ihrem Anspruch, erneuerbar und sauber zu sein, wird sie nicht mal im Ansatz gerecht. Zur größten Landschaftszerstörung, die es in Deutschland jemals gegeben hat, kommen jetzt Probleme, wie man sie von Atomkraftwerken her kennt. Auch dort wurde das Abfallproblem in den ersten Jahren tendenziell ignoriert. Und immer verließ man sich darauf, dass der Steuerzahler am Ende für die nötigen Summen aufkommen würde. In diesem Punkt hat sich in Deutschland nicht viel geändert. Außer, dass die Atomindustrie dabei ist, das Abfallproblem auf Dauer zu lösen.

Sven von Storch

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