Folgen der ›Großen Schließung‹

V-förmige Erholung der Wirtschaft

›Lockdown‹, ›Home-Office‹, ›Home-Schooling‹, ›Hot-Spots‹ - die Corona-Krise spricht Englisch. Doch mit Beginn der ›Zweiten Welle‹ wird zur Vergeltung das Deutsche entdeckt.

Zuerst waren es ›Hot-Spots‹, dann ließ sich der ›Lockdown‹ nicht mehr vermeiden, schließlich zog man sich ins ›Home-Office‹ zurück, aus dem heraus sich die Angestellten mit ihren Chefs, wahlweise mit ihrem Nachwuchs beim ›Home-Schooling‹ zu verständigen lernten. Selten wurde die Bedeutungslosigkeit Deutschlands in der IT-Welt sinnfälliger als in den vergangenen Monaten: Skype, Team oder Zoom hießen die Optionen, zwischen denen Firmen, Lehrer und Eltern wählen konnten; aus deutschen Landen tickerte nichts auf den Bildschirm. Da fiel keinem auf, dass der schnell verordnete Lockdown nichts anderes war als eine zeitweise Schließung des ganzen Ladens.

Doch nun, nachdem die Wirtschaftsdaten für Deutschland immer düsterer werden und an den Schwarzen Freitag gemahnen, hat ›Die Welt‹ zum Gegenschlag ausgeholt. In einem Anflug geschichtsvergessener Deutschtümelei hat sie einen Wirtschaftsaufschwung entdeckt. Nicht irgendeinen! - Nein, nach Pleitewelle und Arbeitslosenschwemme steht dem deutschen Volk eine »V-förmige Erholung« bevor. Dazu eine Graphik, damit auch der letzte Ostfriese die Bedeutung versteht: Nach dem steilen Abstieg geht es ebenso steil wieder aufwärts. Wie eben bei einem V.

Nach dem R wie RKI betonen die Staatsmedien nun das V - wie V1 und V2? Die Vergeltungswaffen waren schließlich die technischen Wunderwaffen des Führers, Vorläufer von Cruise Missilies und Blaupause der Interkontinentalraketen von Russen und Amis. Das waren noch Zeiten, als Deutschland in Sachen Innovation maßgebend war, während britische Propellermaschinen sich in den deutschen Luftraum quälten, um den Krieg zu gewinnen. Oder meint V doch eher WII, also das Victory-Zeichen Churchills, mit dem Anklang an Beethovens V-te?

V-förmiger Wirtschaftaufschwung - da ist wohl mit einem Angestellten der Mainstreammedien die bekanntlich unbewußt gesteuerte Phantasie durchgegangen. Auch Mainstream ist so eine aus dem Englischen, eingeflossen in die Kreise der Opposition. Dabei trifft Staatsmedien doch soviel besser; gerade jetzt nachdem Vater Staat reichlich Gelder zugesagt hat. ›Wes Geld ich krieg, des Lied ich sing.‹

Wunderlich nur, dass der Schreiberling der Welt es nicht merkte. Die Kommentatoren der Welt hatten, ratzfatz, eine sarkastische Buchstabensuppe bereitet. Eingebrockt und als guten Vorschlag getarnt haben sie ihm womöglich seine Kollegen - um Konkurrenz ausschalten. Denn mit den Verkaufszahlen der Printmedien geht es gerade abwärts, I-förmig. V, V1, V2, V, W, M, I. Eine feine Suppe, die der Schreiber da jetzt auslöffeln muss. Wir werden den Verlauf seiner Karriere im Auge behalten.

Sven von Storch

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