Riesige Finanzierungslücke bei der Digitaloffensive

Steht der Digitalpakt schon vor dem ersten neuen Kabel ohne Geld da_

Die Bundesregierung preist ihren Digital-Pakt an, als sei er die Lösung aller Bildungsprobleme. Doch löst der Pakt nicht nur keine Bildungsprobleme - seine Finanzierung ist womöglich selbst ein Problem.

Die Bundesregierung preist ihren Digital-Pakt an, als sei er die Lösung aller Bildungsprobleme in Deutschland. Doch löst der Pakt nicht nur keine Bildungsprobleme - seine Finanzierung ist selbst womöglich bald ein Problem.

Die martialisch als Pakt daherstiefelnde Modernisierungsoffensive soll die deutschen Schulen endlich mit den digitalen Welt verknüpfen. Denn daran scheitern sehr viele. Die Schulen mögen Rechner aufgestellt und Smart-Boards angebracht haben. Wenn die Verbindung nach draußen, also ins Internet, zu langsam ist, dann vergeht Lehrern und Schülern schnell die Freude an den neuen Möglichkeiten, die sich angeblich bieten.

Also erfand das Bildungsministerium den Digital-Pakt. Er soll die Schulen mit der nötigen Hardware zur Verbindung nach draußen versorgen. 5 Milliarden Euro Ausgaben sind für die nächsten 5 Jahre geplant. 3,5 Milliarden schon in dieser Legislaturperiode. Doch nun hapert es bei den Finanzen.

Das Geld sollte aus dem “Sondervermögen Digitale Infrastruktur” stammen, einem Fonds, der mit den Gewinnen der 5G-Versteigerung finanziert wird. Die brachte rund 6,5 Milliarden Euro in den Haushalt - zumindest theoretisch. Denn Bundesverkehrsminister Scheuer hat den Mobilfunkherstellern im Rahmen eines Fünf-Punkte-Plans zur Mobilfunk-Strategie eine Art Zahlungsaufschub gewährt. Die Gesamtsumme wird, wie die Welt berichtet, bis 2030 in Raten gezahlt. Dafür wird das Netz dichter als bisher geplant.

Den Digital-Pakt hat Minister Scheuer dabei wohl vergessen. Und dort wird das Geld womöglich bald fehlen. Kleiner Trost: Das Geld aus dem Digital-Pakt wird bisher kaum abgerufen. Viele Schulen haben noch kein Konzept für die Ausstattung ihrer Räume. Das liegt unter anderem daran, dass es an Fachkräften mangelt, die die Konzepte entwickeln.

So kommt am Ende eins zum anderen: Die teilweise mangelhafte Digitalisierung der Schulen führt zum Fachkräftemangel in der IT-Branche. Und der führt wiederum zur schleppenden Digitalisierung der Schulen. Wo das dann endet, bekommt SAP gerade zu spüren. Dort laufen die Fachkräfte weg. Die Software wird schlechter. Die Kunden beschweren sich immer lauter. Schon wird es kritisch. Und das in einem Bereich, in dem Deutschland ohnehin schwach aufgestellt ist und dem zugleich die Zukunft gehört.

Sven von Storch

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