Der fortgesetzte Schulausfall belastet Schüler, Lehrer und Eltern. Doch nicht nur die aktuelle Belastung wird auf Dauer problematisch. Je länger der Schulausfall dauert, umso größer sind die Lücken die er hinterlässt.
Zehn Wochen dauert der Ausfall der Schulen mittlerweile in einigen Bundesländern. Und auch wenn er nicht vollständig ist – den Kindern und Jugendlichen gehen wertvolle Stunden des Lernens verloren. Video-Konferenzen sind ohnehin kein Ersatz. Und besucht werden sie überdies selten.
Nach einer Untersuchung von Infratest Dimap besuchen 80 Prozent der Schüler weniger als einmal pro Woche den Videounterricht. In einer Umfrage unter 1000 Oberstufenschülern gaben 37 Prozent an, täglich weniger als zwei Stunden zu lernen. Lediglich 27 Prozent waren vier Stunden und mehr bereit, etwas für die Schule zu tun, berichtet das Handelsblatt. Zur Erinnerung: Ein Schultag dauert üblicherweise 6 bis 8 Stunden.
»Für einen nennenswerten Teil«, fasst ein Bildungsökonom die Lage zusammen, »fällt das Lernen während der Schulschließung offensichtlich nahezu ganz aus«. Das führt nicht nur zu Stillstand. »Aus vielen Untersuchungen ist bekannt, dass beim Lernen Stillstand Rückschritt bedeutet«. Ein Effekt, der ähnlich von Langzeitarbeitslosen bekannt ist.
Natürlich lässt sich der wirtschaftliche Schaden schwer berechnen. Aber der Zusammenhang zwischen Schulbesuch und beruflichem und damit auch wirtschaftlichem Erfolg gilt in der Forschung als gesichert. Setzt man einen Verlust von einem halben Jahr der Schulzeit an und ergibt sich ein Verlust von 3 bis 5 Prozent der Schulzeit. Hochgerechnet auf das künftige Einkommen aller Erwerbstätigen im gesamten Berufsleben kommt das Ifo-Institut auf einen Gesamtschaden von 5,4 Billionen Euro.
Grundlage für diese zunächst etwas windige scheinende Schätzung sind die Kurzschuljahre in den 1960er Jahren in Westdeutschland und längere Schulstreiks in Belgien. Damals war ein dreiviertel Jahr weggefallen. Noch im Alter zwischen 50 und 70 Jahren ließen sich die Folgen an geringeren mathematischen Kompetenzen messen.
Einige Experten fordern daher Förderunterricht in den Ferien für schwache Schüler. Dagegen sprechen allerdings die Einheitlichkeit des Bildungssystems, die eine dauerhafte Förderung allein schwacher Schüler verbieten. Werden diese Sommerschulen dagegen auf freiwilliger Basis durchgeführt, haben die Schüler kaum noch eine gemeinsame Basis.


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