Nicht nur Gesundheitsminister Lauterbach und seine Kollegen tischen statistische Fake-News auf – das Statistische Bundesamt wird seinem Namen ebenfalls gerecht. Es mogelt mit Statistik.
0,1 Prozent ist die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2022 gewachsen, verbreitete die Behörde heute morgen. Sie wächst also weiter, könnte man denken, wenn auch nur wenig. Rezession wäre ein Wert unter 0,0.
Doch die Realität ist eine andere. Und das nicht nur, weil die Wirtschaft im ersten Quartal noch um 0,8 Prozent gewachsen war. Ein Unterschied von 0,7 Punkten. Wichtiger ist: Das vermeintliche Wirtschaftswachstum verdankt sich Faktoren, die allesamt für die Zukunft nach unten weisen.
Zum einen wird das Wachstum vom Staat angetrieben. Dessen Ausgaben stiegen um 2,3 Prozent an. Die Staatsverschuldung aber darf nach den Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts ab 2023 nicht mehr so wachsen wie in Zeiten der Epidemie und daher ist ein weiterer Anstieg nicht zu erwarten.
Zum anderen lief der private Konsum nach der Corona-Pandemie deutlich an und erreichte ein Wachstum von 0,8 Prozent. Auch hier ist die Grenze erreicht, ja mit hoher Wahrscheinlichkeit klar überschritten. Steigende Energiepreise zwingen die Bürger zu sparen, wo es geht – und das reduziert den Konsum. Von der Politik wird zudem tagein, tagaus die Tugend des Sparens gepriesen. Das Ergebnis ist dann entsprechend: Die Wirtschaft wird in diesem Sektor sicher nicht mehr wachsen. Entsprechend schreibt die Bundesbank: »Die hohe Unsicherheit über die Gasversorgung im kommenden Winter und die starken Preissteigerungen dürften die privaten Haushalte und Unternehmen deutlich belasten«.
Drittens ist das Volumen der Anlageinvestitionen um 1,1 Prozent angestiegen, also Investitionen in das Anlagevermögen von Unternehmen. Doch auch hier ist mit keinem weiteren Fortschritt zu rechnen. Und das aus vielerlei sich ergänzenden Gründen. Die Industrie wird wie die privaten Haushalte von der unsicheren Preisentwicklung auf den Gas- und Strommärkten gebeutelt. Der Mangel an Facharbeitern schlägt langsam durch und sorgt dafür, dass Produktionen nicht mehr voll anlaufen können. Immer öfter sind Unternehmen von Schließung bedroht und suchen zugleich nach Arbeitskräften. Aussichten, die niemanden bewegen, in Krisenzeit zu investieren.
Wenn aber in den Bereichen, die im zweiten Quartal für Wachstum sorgten, ein Abschwung angesagt ist, dann kann die deutsche Wirtschaft insgesamt sich kaum in eine andere Richtung bewegen als in die Rezession.


Add new comment