Nicht alle Vorurteile sind falsch, wie eine Umfrage in Schweizer Betrieben ergab. Gefragt nach der Qualität der beschäftigten Lehrlinge, antworteten die Ausbilder, die meisten Lehrlinge seien den Anforderungen nicht gewachsen.
Die Lehrstellenbörse »Yousty« hatte die Umfrage bei Ausbildungsbetrieben durchgeführt. 798 Personalverantwortliche und Berufsbildner haben laut Blick geantwortet. Die Lehrbetriebe verteilen sich auf fast alle Branchen.
Die Ausbilder »klagen durchs Band« über Schwierigkeiten, Lehrlinge zu rekrutieren, »weil die Jugendlichen den Ansprüchen der Erwachsenen nicht genügen.« Die Abbruchquote ist sehr hoch. Die Jugendlichen kommen mit schlechten Noten. Sie haben wenig Ausdauer. Und sie sind bequem. Viele sind nicht mehr bereit, einen Arbeitsweg von mehr als 15 bis 20 Minuten in Kauf zu nehmen. »Das Handy-Zeitalter hat die Jugendlichen zu teilweise interesselosen Menschen gemacht«, resümiert Yousty die Antworten.
In der IT-Branche ergibt sich ein deutlich anderes Bild. Die Ausbilder zeigten sich überwiegend zufrieden. Die Abbruch- und Durchfallsquoten sind sehr viel niedriger. »Das liegt vor allem an der betrieblichen Ausbildungskultur«, erklärt ein Ausbilder. Heutzutage könne man von den Lehrlingen nicht mehr fordern: »Seid motiviert!« Man müsse ihnen interessante Tätigkeiten geben und sie inspirieren.
Ähnlich wie in Deutschland fehlen in der Schweiz Handwerker – vor allem Schreiner, Sanitäre und Elektroinstallateure. Der Mangel an Fachkräften führt dazu, dass die vorhandenen Fachkräfte höher belastet werden. Zugleich steht ihnen immer weniger Zeit für die wenigen Lehrlinge zu Verfügung. So kommt eins zum anderen und es ist nur eine Frage der Zeit, wann ganze Branchen mangels Fachkräften den Betrieb einstellen müssen.
Ob eine neue Ausbildungskultur die vorhandenen Probleme löst, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Denn mit der Anpassung an die Bedürfnisse der Lehrlinge, wird deren laxe Haltung noch unterstützt. Die Haltung der Lehrlinge muss sich ändern, nicht die Haltung der Fachleute. Sie müssen zuerst einmal lernen, dass Fachwissen sich lohnt und fehlendes Fachwissen nicht mit weiteren Fördermaßnahmen goutiert wird.


Add new comment