Hätte man Robert Habeck, als der gelernte Philosoph das Ministerium für Wirtschaft übernahm, nicht zuvor erklären können, wie Wirtschaft geht? Dann wäre das nicht passiert. Dann wüsste der Kinderbuchautor, dass das Kapital ein scheues Reh ist. Er wüsste auch, wie der Markt funktioniert. Und müsste es jetzt nicht auf Kosten der Bürger erst lernen.
Ende März weilte Habeck in Katar. Er brauchte Gas. Viel Gas. Denn in Deutschland droht der prekäre Rohstoff nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine plötzlich zur Neige zu gehen. Und die grünen Propaganda-Rohstoffe Wind und Sonne reichen bei weitem nicht aus. Ein Deal mit den Arabern musste her.
Devot schüttelte der grüne Frontmann Hände, das Knie wurde gebeugt – und es klappte. Der potentielle Lieferant sagte zu. So jedenfalls Habeck nach seiner Rückkehr von seiner Kaffeefahrt in den Golfstaat.
Und nun das: Katar, der Lieferant, schraubt die Bedingungen hoch. Macht also das, was jeder Lieferant einer Ware, die stürmisch nachgefragt wird, machen würde.
Punkt 1: Deutschland muss sich langfristig binden. Nur mal so ein bisschen Gas aus Katar ist den Arabern nicht genug. 20 Jahre soll Deutschland Gas aus dem Mittleren Osten beziehen.
Punkt 2: Das Gas soll Deutschland nicht an Käufer aus europäischen Ländern weiter verkaufen.
Punkt 3: Der Gaspreis bleibt in Zukunft an den Öl-Preis gekoppelt.
Robert Habeck will alles drei nicht. Er braucht das Gas aus Katar nur für eine möglichst kurze Zeit zur Überbrückung. Und Katar soll die Lücken füllen. Lückenbüßer nennt man das in Deutschland. Habeck will den Stoff auch weiterverkaufen, falls zu viel davon da ist. Einen Durchlauferhitzer nennt man das in Deutschland und meint es nicht nett. Und der Preis soll so niedrig sein, wie nur möglich. Sowas wird in Deutschland Spottpreis genannt.
Ein Lückenbüßer, der für Spottpreise liefert und der Kunde verdient am Weiterverkauf. Das klappt nicht einmal auf einem Basar. Und auf dem Weltmarkt schon gar nicht. Angebot und Nachfrage regieren dort und nicht Robert Habeck. »Katar hat die Hebel in der Hand«, erklärt ein Fachmann. »Am Ende wird Deutschland auf die Bedingungen eingehen müssen, um die Versorgung zu sichern.« Und zwar auf alle drei.
Robert Habeck kennt diese eisernen Grundregeln des Marktes nicht. Bestenfalls hat er sie auf einem linken Seminar zu kritisieren gelernt. Was ihm jetzt aber nichts nutzt.
Denn auf dem internationalen Wirtschafts-Parkett helfen weder Studienabschlüsse in Laberfächern noch die Unterstützung der versammelten Medien Deutschlands. Hier hilft nur Geschick. Dafür aber müsste Habeck schon wissen, wie Wirtschaft geht. Und so schließt sich der Kreis.
Ende Mai wird wieder verhandelt. Derweil klettert der Gaspreis in neue Höhen.


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