Wer denkt, ein zweiter Lockdown wäre im Grunde wie der erste, der täuscht sich, denn in die nächsten Schließung der Wirtschaft geht Deutschland mit erheblich weniger Mitteln hinein. Der Grund dafür ist einfach: Viele Reserven wurden bereits beim ersten Lockdown verbraucht. Es handelt sich also keineswegs um eine Wiederholung des Frühjahrs.
So erklärte Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, der Mario Ohoven: »Die Konsequenzen wären deutlich gefährlicher als beim ersten Mal. Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes kommt einer künstlichen Beatmung Rettungsloser gleich, Insolvenzen werden damit nur aufgeschoben. Viele Betriebe haben ihre finanziellen Reserven aufgebraucht:«
Schon beim ersten Lockdown verzeichnete die deutsche Wirtschaft ihren stärksten Rückgang seit der Finanzkrise von 2008/2009. Im Kern geht es um das Wegbrechen von Umsätzen, in einigen Branchen bis zu 100 Prozent. 80 Prozent der Unternehmen erwarten schon jetzt für das Gesamtjahr sinkende Umsätze: »40 Prozent haben schwere Liquiditätsprobleme, und jede zehnte Firma hält sich sogar für insolvenzgefährdet«, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, DIHK, Eric Schweitzer.
Doch es ist nicht nur der Rückgang der Aktivitäten. Schon jetzt sieht jedes fünfte Unternehmen das eigene Überleben durch die Corona-Krise gefährdet. Mit einer weiteren Pleitewelle ist zu rechnen und beträfe dann nicht 20 sondern grob gerechnet 40 Prozent aller Betriebe. Auf Grund vieler weiterer Pleiten beschleunigt sich die Konzentration in vielen Sektoren der Wirtschaft. Das wird auch durch eine zu erwartende nochmals verlängerte Aussetzung des Insolvenzrechts nicht wesentlich besser, zumal die Aussetzung ohnehin nur viele weitere Zombieunternnehmen erzeugt.
Neben hunderttausenden Arbeitsplätzen stehen auch viele Ausbildungsplätze auf dem Spiel. Der Mittelstand wäre neuerlich besonders heftig betroffen – dort werden acht von zehn Lehrlingen ausgebildet.
Wer denkt, hier könne der Staat neuerlich einspringen, täuscht sich. Die Staatsverschuldung erreicht nach einer Steigerung um 22 Prozent im ersten Lockdown schon jetzt 81 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, BIP – zugelassen sind 60 Prozent. In einem zweiten Lockdown wäre ein weiterer Zuwachs auf 100 Prozent angesagt. Und das, während die Zahl der Kurzarbeiter weiter steigt. Schon jetzt rechnet die Bundesagentur für Arbeit für 2020 mit einem Defizit von mehr als 30 Milliarden Euro. In den Rentenkassen klafft ein Lock von etwa 100 Milliarden Euro.
Dazu kommen nicht nur noch einmal weiter sinkende Steuereinnahmen – im nächsten Jahr stehen gewaltige Rückzahlungen vorausgezahlter Umsatzsteuer ins Haus des amtierenden Finanzministers. Auch hier ergibt sich ein hoher zweistelliger Milliardenbetrag, wenn man annimmt, dass einige Unternehmen praktisch keinen Umsatz mehr machen – und zwar schon jetzt! Bei einem zweiten Lockdown wäre wohl ein Versuch zu erwarten, die Rückzahlung zu verschieben.
Zweiter Lockdown hin, zweiter Lockdown her – allein die Diskussion über diesen zweiten Lockdown schadet der Wirtschaft. Unternehmen wissen nicht, wie weit sie planen können. Erst kürzlich hatte Minister Spahn erklärt, die Schließung von Friseuren und Einzelhandelsgeschäften sei ein Fehler gewesen. Jetzt wird neuerlich über ein Schließungsszenario gesprochen. Davon sind Kurzarbeiter, aber auch Kunden betroffen. Die einen werden eben doch nicht wieder in Arbeit gebracht, die anderen wissen nicht, wie lange ein Lieferant noch liefern wird. Solche Unsicherheiten, das weiß jeder Volkswirt, sind reines Gift für eine erfolgreiche Wirtschaft.


Add new comment