Seit einigen Jahren gab einen scheinbaren Lichtblick in der ansonsten so trostlosen wirtschaftlichen Landschaft der deutschen Hauptstadt: Berlin galt als Paradies für Start-Ups, also jene Jung-›Unternehmen‹ mit vielen neuen Ideen und wenig Geld. Die Stadt mit ihren vielen Discotheken, einem umfangreichen Nachtleben und vielen Hochschulen schien wie geschaffen für junge Leute, die unternehmerisch aktiv werden wollten.
›Ada Health‹, ›Delivery Hero‹ und ›Zalando‹ waren zwar kein Ersatz für AEG, Siemens und Schering, aber immer noch besser als gar nichts. Im Vergleich mit anderen Städten der Welt hatte es Berlin im Ranking bis auf Platz 10 geschafft – also deutlich relativ besser als die Universitäten der Stadt. Im Jahr 2018 schafften es Humboldt-Uni, Freie Universität und Technische Universität im weltweiten Vergleich gerade mal auf die Plätze 120, 125 und 144.
Doch nun folgt der Absturz. Innerhalb nur eines Jahres ist Berlin um 10 Plätze auf Platz 16 gefallen; vor drei Jahren hatte die Stadt sogar auf Platz 7 gelegen.
Ganz anders London. Der britischen Hauptstadt wurde vom deutschen Mainstream als Folge des Brexit ein Niedergang ohne gleichen prophezeit und insgeheim auch gewünscht. Nichts da. London liegt auf Platz 3. Willkommen in der Realität, kann man da nur den Rot-Rot-Grünen Herren und Damen im Roten Rathaus zurufen.
»London ist eine etablierte Größe als Vorreiter in Technologiefragen«, erklärt eine Sprecherin von Venture-Capital-Investor Balderton Capital, »früher vor allem bei Fintech, jetzt auch zunehmend bei Künstlicher Intelligenz und Gesundheitstechnik.« Da kann Berlin nicht mithalten. In der digitalen Forschungswelt spielt Deutschland keine Rolle. Doch auch im medizinischen Sektor liegt London weit vor Berlin.
Während sich die deutsche Hauptstadt sich zu gute hält, die meisten Migranten der Welt aufzunehmen, passiert in anderen Städten deutlich mehr in wissenschaftlicher und ökonomischer Hinsicht. Hinter London aber vor Berlin liegen Peking, Boston, Tel Aviv/Jerusalem und Shanghai; europäische Städte wie Stockholm, Platz 10, Amsterdam, 12, und Paris, 13, haben offenbar mehr zu bieten.
Für die nächsten Jahre wird die Situation noch schwieriger werden, denn zum einen holen ostasiatische Städte auf. Zum anderen wächst die Konkurrenz aus München, Hamburg und Frankfurt. Es steht also zu erwarten, dass Berlin weiter abfällt. Rot-Rot-Grün mag sich selber ja für innovativ halten – in den wirtschaftlich relevanten technologischen Gebieten hat die Stadt nicht zuletzt wegen ihrer bildungs- und technologiefeindlichen Regierung immer weniger zu bieten. Und ein paar Clubs machen noch keinen zweiten Frühling.


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