Autor der Heinsberg-Studie beruhigt:

Virologe Streeck erwartet keine zweite Corona-Welle

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck rechtfertigt sein Vorgehen bei der Heinsberg-Studie und erklärt, eine zweite Corona-Welle sei nicht zu erwarten.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hat sich in einem Interview mit dem Bonner General-Anzeiger zum weiteren Vorgehen in der Corona-Epidemie geäußert und auch zu einigen der gegen ihn erhobenen Vorwürfen Stellung bezogen. Der Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung an der Bonner Uniklinik hat mit dafür gesorgt, dass die Stadt Bonn bei der Eindämmung des Corona-Virus erfolgreich war.

Allerdings war Professor Streeck in die Kritik geraten, als er Anfang April die sogenannte ›Heinsberg-Studie‹ nicht nur durchgeführt hat, sondern sich zudem medialen Unterstützung suchte. Die Mainstream-Medien hatten die Vorgehensweise als unwissenschaftlich gebrandmarkt und damit den Wert der Heinsberg-Studie in Zweifel gezogen.

»Die Studie«, erklärte der 42-Jährige, »hält bei Fachleuten vollkommen Stand und findet weltweit große Beachtung. Dieser Fakt zählt.« In Richtung seiner Kritiker sagte der Virologe: »Wenn dann ein Redakteur einen Rechenfehler in einer Rechnung findet, die wir aber nie aufgestellt haben, sondern in den Medien so interpretiert wurde, dann ist das fast kafkaesk.«

Dass sich sein Institut mediale Begleitung geholt habe, rechtfertigte Streeck mit dem Wunsch, die Bürger über die Arbeitsweise seines Instituts zu unterrichten. »Wir haben der Agentur erlaubt, uns über die Schulter zu schauen bei der Arbeit in Heinsberg und diese Arbeit auf Social Media zu begleiten.« Daran, »Forschung live zu zeigen«, kann der Professor nicht Falsches erkennen. »Ich habe nicht gesehen«, fasste er seine Erfahrung zusammen, »auf welche politische Gemengelage das trifft.«

Auf das Virus angesprochen, betonte Streeck: »Ich habe den Respekt vor dem Virus.« Er habe von den »schweren Verläufen gelernt, aber auch die andere, die harmlose Seite der Erkrankung gesehen.«

Kritisch äußerte sich der Virologe zur Reproduktionszahl R und der hohen Bedeutung, die ihr zugemessen wird. Auch die Zahl der Neuinfektionen sei letztendlich nicht entscheidend. »Deswegen müssen wir eine Kenngröße entwickeln«, sagte Streeck, »die es noch nicht gibt, zum Beispiel das Verhältnis der gemessenen Fälle durch Stichproben zur Intensivkapazität.«

Angesprochen auf die weitere Entwicklung bleibt der Chef-Virologe vorsichtig, warnt aber auch vor Hektik. Man müsse sich mit Bedacht vortasten. Als der Interviewer fragt: »Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es eine zweite Welle gibt, die viel schlimmer sein könnte, als das, was wir bisher erlebt haben?« fällt die Antwort indessen recht deutlich aus:

»Ich glaube, was sehr viel wahrscheinlicher ist, ist gar keine zweite Welle. Sondern wir werden immer mal, wie wir das jetzt auch beobachten, Hotspot-Ausbrüche sehen. Vielleicht mal 100 Leute, die auf einmal infiziert waren, und es nicht mitgekriegt haben. Das wird dann eingedämmt werden von den örtlichen Gesundheitsämtern.«

Zur Begründung verweist der Wissenschaftler auf die Jahreszeiten. »Im Übrigen nehme ich auch an, dass wir zum Sommer geringere Übertragungen sehen. Das zeigt der Blick auf die Südhalbkugel.«

Eine Empfehlung zu weiteren Lockerungen des Lock-Down gibt Hendrik Streeck unter Hinweis auf den Umgang der Mainstream-Medien mit ihm allerdings nicht. »Ich habe eine Meinung und eine Einschätzung dazu«, erklärt er. »Das Problem ist, dass meine Meinung nicht zur Entscheidung beitragen sollte, weil ich mir nicht anmaßen will, eine Entscheidung abzunehmen, die eigentlich bei denen liegen sollte, die dafür gewählt worden sind, solche Entscheidungen zu treffen und alle Gesichtspunkte abwägen zu können.«

Als der Interviewer vom Autor der Heinsberg-Studie zuletzt wissen will, ob er zum Team Laschet oder Team Söder gehöre, entgegnet er: »Ich bin Team Wissenschaft.«

Sven von Storch

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