Wenn die Software »Thunberg« zu »Hugenberg« macht

Kretschmann hält Rechtschreibung für nicht mehr so wichtig

Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg zählt die Rechtschreibung nicht zu »den gravierenden Problemen der Bildungspolitik«. - Ein Kommentar

Für den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, zählt die Rechtschreibung nicht zu »den gravierenden Problemen der Bildungspolitik«. Das ist eine Aussage, der ein geneigter Zeitgenosse zustimmen könnte. Vorausgesetzt der agile Grüne aus dem Ländle nähme seine Feststellung zum Anlass, über die wirklich gravierenden Probleme zu reden: Dass immer mehr Schüler nicht richtig lesen, dass immer mehr Schüler kein Deutsch sprechen können, dass immer mehr Schüler die Grundrechenarten nicht mehr beherrschen.

Aber darüber will Herr Kretschmann nicht sprechen. Er versucht sich statt dessen im Paradigma links-grüner Bildungsversuche: Alles möglichst leicht für die Schüler zu machen. Folglich ist die Rechtschreibung nicht mehr so wichtig. Natürlich brauche jeder »ein Grundgerüst an Rechtschreibkenntnissen. Das ist«, so der frühere Kommunist, »gar keine Frage. Aber die Bedeutung, Rechtschreibung zu pauken, nimmt ab, weil wir heute ja nur noch selten handschriftlich schreiben«.

Oberflächlich betrachtet scheint das zu stimmen. Digitale Eingabegeräte finden noch beim Tippen die meisten Fehler, »kluge Geräte«, wie Kretschmann sie nennt. Doch genau mit dieser Einschätzung beweist der Grüne wie wenig er von Digitalisierung versteht.

Denn es gibt keine klugen Geräte. Richtig: Wenn meine Rechtschreibprüfung aus »Thunberg« jedes mal »Hugenberg« macht, dann mag das klug scheinen. Klüger jedenfalls als sämtliche Schüler von »Fridays for Future«. Aber es ist eben doch nur die Wortähnlichkeit, auf die die Rechenmaschine verweist. Sie kann nun einmal nicht denken und deshalb scheitert sie regelmäßig an der Grammatik.

Oberflächlich nennt man das. Und oberflächlich ist auch Herr Kretschmann, den so manche Rechtschreibhilfe in Kretschmer, den Ministerpräsidenten Sachsens, umwandeln könnte, während andere, wie etwa meine, Kretschmer in Kretschmann umwandeln möchten. Oberflächlich ist auch die Einschätzung, Rechtschreibung zu pauken, sei nicht mehr wichtig. Denn genau dieses fehlende Pauken markiert den Urgrund der deutschen Bildungsmisere. Die Schüler werden geradezu auf »leichte Sprache« getrimmt.

Die Ergebnisse dieser Erleichterungen sind allseits bekannt. Es herrscht eine buchstäbliche Sprachlosigkeit – eine Sprachlosigkeit die Deutschland beim vieldiskutierten Thema Digitalisierung in die Drittklassigkeit absteigen lässt. Nicht fehlende SmartBoards, Breitbandkabel und WLAN-Router sind das Problem, wie Politiker vom Schlage Altmaier glauben machen wollen.

Nein, der mangelhafte Umgang mit Sprache führt dazu, dass Schüler an deutschen Schulen Programmieren nicht lernen. Denn die Geräte, die Kretschmann für klug hält, werden mit einer Sprache gesteuert. Und deren Rechtschreibregeln sind absolut streng. Pauken ist angesagt. Das, das Pauken, muss man lernen. Schließlich sind die Geräte nur so gut, wie die, die sie programmieren. Oder man importiert sie aus den Vereinigten Staaten, Israel oder dem Fernen Osten.

Sven von Storch

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