Die Corona-Krise ist, hört man auf die Bundesregierung, eine Krise der Intensivbettenreserve. Weil deutsche Krankenhäuser nur noch wenige freie Betten haben, droht der Kollaps und damit der Tod tausender Alter. Soweit das Kanzleramt.
Dem widerspricht der Chef größten deutschen Krankenhauskette Helios Francesco De Meo gegenüber der FAZ: »Wirklich dramatisch ist die Lage derzeit nicht, auch wenn vor allem unsere großen Krankenhäuser jetzt wieder sehr viele Covid-Patienten behandeln.« Schon im vergangenen Oktober hatte De Meo mit einem christlichen »Fürchtet euch nicht!« vor Panik gewarnt.
Der Fachmann verweist darauf, dass die Wahrheit im Detail steckt. »Ich finde, wir sollten das gesamte Bild betrachten.« Und das sieht auf den Krankenstationen von Helios momentan so aus: Von insgesamt 15.750 Patienten Normalstationen haben etwa 750 Covid-19; auf den Intensivstationen befänden etwa 1480 Patienten, 330 davon mit Covid-19.
Zugleich verweist De Meo darauf, dass in Deutschland Patienten gerne schnell auf eine Intensivstation gelegt werden, deutlich schneller jedenfalls als zum Beispiel in Spanien. Daher lägen in Deutschland bei der gleichen Zahl von Infizierten dreimal so viele Covid-Patienten auf Intensivstationen, die entsprechend überfüllt erscheinen. Dabei bedeutet die Intensivstation nicht unbedingt eine bessere Behandlung. »Die Sterblichkeit ist dann in beiden Ländern aber wieder ungefähr gleich«, betont der Chef der Krankenhauskette.
Also gibt es zwar eine Intensivbettenkrise – nur ist die nicht Corona geschuldet, sondern der Neigung deutscher Krankenhäuser, Patienten schnell intensivmedizinisch zu behandeln. Ein Umstand, den bereits ein kurzer Blick auf die Karte des Deutschen Intensivbettenregisters, DIVI, zumindest andeutet: Im Kyffhäuserkreis sind 100 Prozent der Intensivbetten belegt – ausnahmslos mit Patienten ohne Covid-19.
Schlimmer ist jedoch noch ein weiterer Umstand, den ein zweiter Blick auf die Karten und Zahlen des DIVI nicht nur andeutet, sondern belegt. Aktuell sind in Deutschland noch 8,3 Prozent Intensivbetten frei – vorausgesetzt, es wird mit der Zahl der vorhandenen Betten auf Intensivstationen gerechnet. Nimmt man jedoch die höchste Zahl vorhandener Betten aus den vergangenen zwölf Monaten, sind über ein Viertel aller Intensivbetten frei. Nur ist die Zahl der Intensivbetten über die Monate um über 6.600 Betten geschrumpft.
Gibt es also eine Intensivbettenkrise? – Die kurze Antwort lautet weiterhin: Nein! Die längere aber zeigt, dass an eine Verbesserung der Lage durch Umbettung von Patienten, die eine intensivmedizinisch Behandelung nicht unbedingt brauchen, nicht einmal gedacht worden ist. Und schlimmer: Die Krise wurde durch Streichungen von Betten forciert.


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