Eigentlich hat ein Kanzler einen Wahlkreis, in dem er praktisch sicher gewinnt. Helmut Schmidt hatte seinen in Hamburg-Bergedorf, Helmut Kohl seinen in Ludwigshafen und Angela Merkel ihren in Vorpommern-Rügen. Und zumindest Helmut Kohl und Helmut Schmidt haben um die Wähler in ihren Wahlkreisen gekämpft, mitunter sogar verloren.
Armin Laschet, der Kanzlerkandidat der Union für die Wahl im Herbst, hält von einem Direktmandat im Bundestag offen nicht so viel. Jedenfalls hat er auf eine Kandidatur um das Direktmandat verzichtet und versucht sein Glück über die Landesliste seiner Partei in Nordrhein-Westfalen.
Versucht sein Glück ist nicht nur rhetorisch gemeint – Laschet braucht etwas Glück, denn sollte die CDU in NRW besser abschneiden, als die Umfragen momentan sagen, dann könnte es auf der Landesliste nicht reichen. Anders als in vielen anderen Parteien ist ein Listenplatz in der CDU keine Absicherung, um an die Fleischtröge im Bundestag zu gelangen.
Aber warum verzichtet Armin Laschet nun auf die zusätzliche Absicherung über ein Direktmandat in Aachen ?
Ein Grund soll sein: Laschet will dem bisherigen Abgeordneten, dem Gesundheitspolitiker Rudolf Henke, im Wahlkreis Aachen Stadt den Vortritt lassen. »Wenn Du den Wahlkreis willst«, soll Laschet gesagt haben, »dann trete ich da zur Seite«. Henke betont dagegen »Ich hätte ohne jeden Groll Platz gemacht.« Also Höflichkeit gegenüber einem Parteikollegen ? – Glaubwürdig klingt das nicht. In einer Partei wie der CDU haben die Höheren immer mehr Rechte. Außerdem hat Laschet den Wahlkreis schon einmal, bei der Bundestagswahl 1994, gewonnen. Warum nicht auch diesmal ?
Der Kandidat der Grünen für den Wahlkreis stichelt: »Nach dem Motto: Man kann schlecht Kanzler werden, wenn man zuhause dann erst mal eine Klatsche gekriegt hat«, und fragt auch gleich nach: »Traut er sich nicht?«
Was auf den ersten Blick seltsam scheint, macht bei einer genauen Betrachtung jedoch Sinn. Denn angenommen, Laschet gewönne in Aachen I, dann kann er kaum einen Rückzieher machen. Er müsste also auch in den Bundestag wechseln – egal, wie die Wahl anschließend ausgeht und egal, ob er Kanzler wird oder eben nicht. Für diesen Fall folgte er Martin Schulz in der Versenkung.
Umgekehrt kann er aber auch Kanzler werden, selbst er nicht im Bundestag sitzt.
Was liegt da näher, als kein Direktmandat anzustreben, sich auf die Landesliste der CDU setzen zu lassen und für den Fall, dass es nicht zur Kanzlerschaft reicht, als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen zu bleiben. Auf das Mandat über den Listenplatz zu verzichten, ist kein politischer Beinbruch. Dagegen auf ein gewonnenes Direktmandat zu verzichten dagegen ein peinliches Novum.
So oder so – das Verhalten von Armin Laschet zeigt, wie unsicher die einst stolze Union in die Wahl geht. So gesehen hat sie mit Armin Laschet einen passenden Kandidaten gekürt.


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