Die Spirale aus struktureller Gewalt gegen Ungeimpfte und irrationalen Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Corona dreht sich munter weiter in die Weihnachtszeit, also jene Stunden, in denen Christen Besinnung auf Mitmenschlichkeit finden. Jetzt hat der Städte- und Gemeindebund gefordert, Weihnachtsmärkte nur für Geimpfte und Genesene zu öffnen.
Noch vor einem Jahr forderte derselbe Bund laut Redaktionsnetzwerk Deutschland für Weihnachtsmärkte lediglich eine Maskenpflicht und die üblichen Utensilien. »Mobile Temperaturkontrollen und Handdesinfektionsspender müssen dann«, sagte der Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg, »ebenso wie die Maske, zum Erscheinungsbild des Weihnachtsmarktes gehören.« Von einer Absage wollte der Städte- und Gemeindebund nichts wissen, »damit die Akzeptanz der Menschen erhalten bleibt.«
Nicht so in diesem Jahr. Zwar sollen die Weihnachtsmärkte keineswegs geschlossen bleiben. Aber angesichts der steigenden Inzidenzen in der gesamten Bevölkerung will man speziell Ungeimpften den Zugang verwehren. »Bei Weihnachtsmärkten«, so derselbe Geschäftsführer, diesmal allerdings gegenüber der Funke-Mediengruppe, »die ja regelmäßig von privaten Veranstaltern durchgeführt werden, steht es diesen frei, von vorneherein auf 2G-Regeln zu setzen«. Und in Bundesländern mit hoher Inzidenz sei die Verordnung von 2G nachvollziehbar.
Dass es dem Hauptgeschäftsführer dabei nicht um die Eindämmung der Pandemie, sondern um den Weiterverkauf von Impfdosen geht, macht er umgehend deutlich, als er daraus verwies, diese Druckmittel würden manchen Zweifler dazu bewegen, sich doch noch impfen zu lassen.
Sachargumente ? – Keine. Wie auch, wo jeder weiß, dass Geimpfte das Virus ebenso weiterverbreiten, wie Ungeimpfte. Allerdings nicht auf Weihnachtsmärkten, die meist draußen stattfinden. Und der Anteil von Geimpften an den steigenden Zahlen von Neuinfizierten verrät das Robert-Koch-Institut bisher nicht.
Aktionen, die sich wahllos und unbegründet gegen Teile der gesunden Bevölkerung richten, nennt man strukturelle Gewalt. Oder in der Definition durch den Fachmann Johan Galtung: »Strukturelle Gewalt ist die vermeidbare Beeinträchtigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse oder, allgemeiner ausgedrückt, des Lebens, die den realen Grad der Bedürfnisbefriedigung unter das herabsetzt, was potentiell möglich ist.«
Wer gesunden Bürgern den Zutritt zu Supermärkten, Kinos oder eben Weihnachtsmärkten verweigert, übt gegen diese Bürger strukturelle Gewalt aus. In einer Gesellschaft, die sich ansonsten viel auf ihre Gewaltlosigkeit gegen Drogenhändler, Islamisten und andere Gewalttäter einbildet, sollte das Vorgehen gegen Ungeimpfte eigentlich ein Skandal sein. Ist es aber nicht. Nicht für die deutschen Medien und nicht für die Politik. Und auch nicht für den Städte- und Gemeindebund. Und um das zu zeigen, haben sie sich einen der zentralen Festtage der Christenheit ausgesucht. Das nennt man Zynismus und das genaue Gegenteil von Mitmenschlichkeit.


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