Dass der Weg nach Warschau für die neue deutsche Außenministerin nicht leicht werden würde, wusste sie wahrscheinlich sogar selber. Aber wahrscheinlich hatte die Grünen-Chefin eher die Standardthemen im Verhältnis der Europäischen Gemeinschaft zu ihren mitteleuropäischen Mitgliedstaaten im Hinterkopf, als sie die polnischen Hauptstadt erreichte.
Dort kam es anders. Es wurde zunächst nicht über die Weigerung Polens, Genderpolitik zu betreiben, seine Weigerung, insbesondere moslemischen Migranten aufzunehmen, seine Weigerung, den Rechtsstaat zugunsten von EU-Vorgaben auszuhöhlen gesprochen; es wurde Annalena Baerbock von Polens Außenminister Zbigniew Rau, von einem, der es wissen muss, eine bittere Lehre erteilt, um ihre Leere zu füllen.
Zbigniew Rau ist 66 Jahre alt und Juraprofessor. Und von diesem älteren, gebildeten und ausgebildeten, weißen Mann musste sich Annalena Baerbock zu Begrüßung den väterlich gemeinten Rat geben lassen, auf die »laufende Praxis« zu achten, statt sich nach »theoretischen Vorstellungen« zu richten. Und das in einem strengen, nach Meinung des deutschen Mainstreams herablassenden Tonfalls.
Dann wünschte ihr genau die Sorte Mann, die Baerbock und ihre Genossen so sehr verachten, auch noch Glück. »Sie werden es brauchen bei der Erfüllung Ihrer Mission, aber auch in den polnisch-deutschen Beziehungen.« Und der Beobachter wusste nicht so recht, ob es nur Höflichkeit war oder der Hinweis, dass ihre Vorstellungen so unsinnig sind, dass sie nur mit viel Glück etwas schaffe.
Dass der Polnische Außenminister dann auch noch Forderungen nach Reparationen an Deutschland für die Verluste und Schäden während der deutschen Besetzung zwischen 1939 und 1945 stellte, machte die Position Baerbocks praktisch unhaltbar. Was soll eine Grüne und Linke schon sagen, wenn Reparationen an ein in ihrem Verständnis ewig schuldiges Deutschland stellt? »Wir erwarten«, erläuterte Rau, »von der neuen deutschen Regierung die Bereitschaft, sich dieser Verantwortung zu stellen«. Eine Aussage, die zur Floskel jedes grünen Bezirkspolitikers gehört, nur dass er sie nicht zu hören bekommt, sondern anderen vorhält.
Entsprechend kleinlaut fielt die Antwort der Deutschen Außenministerin aus. »Insbesondere in der Außenpolitik und in der Diplomatie«, sagte sie, »braucht man nicht nur ein bisschen diplomatisches Glück, sondern immer auch Hoffnung«. Was genau sie damit meinte, verriet die nicht. Auch das war wohl eher nur eine Floskel.


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