Bei der Landtagswahl in Thüringen haben AfD und Linke gewonnen. Verloren haben die anderen. Und die eine Ausnahme ändert nichts an den Gründen für das Ergebnis.
Am gestrigen Wahlabend wurden alle möglichen Koalition durchgespielt. Das war, zumindest auf den ersten Blick, nicht ganz einfach. Denn die Redakteure und Politiker addierten immer zuerst die Prozente von Christ- und Sozialdemokraten und dann die der Grünen zusammen. Und je sicherer der Einzug der Freidemokraten wurde, kamen sie als weiterer Summand in der Summe hinzu. Arbeitsfähige Koalitionen kamen dabei nicht heraus.
Natürlich wäre auch eine andere Rechnung mit einem klaren Ergebnis möglich gewesen: Alternative für Deutschland und Kommunisten haben zusammen mehr als 50 Prozent. Also konnten die anderen niemals zusammen regieren.
Aber Politiker und Journalisten betrachten Ostdeutschland aus Richtung Westen. Und da sind die Westparteien nun einmal die erste Wahl. Doch für die Ostdeutschen sind sie das eben nicht mehr. Das hat wenig mit DDR-Nostalgie und noch weniger mit einer oft beschworenen Abgehängtheit des Ostens, aber viel mit einem tiefen Überdruss in den ostdeutschen Ländern zu tun.
Keiner ist 1989 auf die Straße gegangen, um die sozialistische Republik durch eine demokratische Republik zu ersetzen. Das Volk rief nach Meinungsfreiheit. Es sehnte sich nach der inneren Einheit.
Die Westparteien haben letztendlich keinen dieser Wünsche erfüllt. Statt dessen haben sie ihre Vorstellungen und Ideologien über die imaginäre und zugleich reale innerdeutsche Grenze Richtung Osten getragen. Und dafür bekommen sie nunmehr die Quittung.
Die Ostdeutschen finden sich momentan selber. Und da die Westparteien von einer Einsicht weiter entfernt sind denn je - Habecks Ausführungen nach dem Debakel der Grünen sprechen Bände -, wird es in Thüringen schwierig. Ein von den Christdemokraten geduldetes geschäftsführendes Weiteregieren von Grünen, Sozialdemokraten und Linken ist dabei mit Sicherheit die schlechteste Lösung. Auch wenn sie symbolträchtig wäre. Für eine Linke, die bis heute nicht verstanden hat, dass die Ostdeutschen den Sozialismus nicht wollten noch wollen - für die westdeutsche Konsensdiktatur.


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