Der Herbst 2015 ist den Deutschen noch schlecht in Erinnerung. 70 Prozent fürchten, es könne sich nach der Machübernahme der Taliban eine ähnliche Situation ergeben. Nur 20 Prozent glauben, es gäbe keine Fluchtbewegung Richtung Europa. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov exklusiv für Welt am Sonntag.
Noch deutlicher ist das Urteil der Deutschen, was den Umgang mit den Migranten aus Afghanistan bestrifft. 49 Prozent der Befragten meinen, die Flüchtlinge sollten in den afghanischen Nachbarstaaten untergebracht werden. Lediglich 28 Prozent unterstützen Pläne, Afghanen in der EU aufzunehmen und dort auf die Mitgliedsstaaten zu verteilen – eine Lösung, die sehr wahrscheinlich undurchführbar ist, da die mitteleuropäischen Staaten Polen, Tschechien und Ungarn deutlich gemacht haben, keine Afghanen aufnehmen zu wollen. Zehn Prozent empfehlen zu einem anderen Vorgehen und 13 Prozent machten keine Angaben.
Allgemein wird die Antwort, man sei für eine Aufnahme der Migranten, vorausgesetzt, sie werden in Europa verteilt, als freundlich formulierte Ablehnung einer Aufnahme interpretiert. Die Befragten trauen sich nicht mehr, ihre Meinung offen zu sagen, und antworten nicht einfach mit einem Nein, sondern mit einem Ja, das an Bedingungen geknüpft ist, die kaum eintreten werden - hier die Verteilung der Migranten auf Europa. So gerechnet lehnen 77 Prozent der befragten Deutschen die Aufnahme ab.
Die Ergebnisse der Umfrage sind in sofern interessant, als das zur Hilfsindustrie zählende Unternehmen Seebrücke erst vor wenigen Tagen suggerierte, eine deutliche Mehrheit der Deutschen sei für die Aufnahme weiterer Migranten. Das Gegenteil ist offenbar der Fall.


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