Der Abgeordnete Johannes Kahrs, SPD, ist bekannt für seine verbalen Ausbrüche im Bundestag. Den politischen Gegner bezeichnet der Vorsitzende des rechten Seeheimer Kreises auch schon mal als »hässlich«, vor allem wenn er zur Alternative für Deutschland gehört.
Gestern überraschte Kahrs mit seiner Ankündigung, alle sein Bundestagsmandat und den Kreisvorsitz niederzulegen. Auf seiner Website nennt er als Grund für seinen Rücktritt, dass sie SPD-Bundestagsfraktion ihn nicht für das Amt des Wehrbeauftragten vorschlagen wollte. Statt seiner soll Eva Högl es machen.
Über die tatsächlichen Gründe kann man nur spekulieren. Kahrs galt intern als reiner Machtmensch. Da konnte es schon mal passieren, dass er einer Juso-Vorsitzenden drohte: »Ich krieg’ dich, du Schlampe«. Spenden aus der Rüstungsindustrie für seinen SPD-Verband haben ihn für die Sozialdemokraten, von denen viele auf eine Koalition mit der Ex-PDS hoffen, auch nicht wählbarer werden lassen.
Mit dem Nicht-Vorschlag für das Amt des Wehrbeauftragten haben sich womöglich interne Gegner an ihm gerächt.
Kahrs Reaktion war also prompt und sie war umfassend. Er trat nicht nur von seinen Ämtern zurück; seine Accounts bei Twitter, Facebook und Instagram waren umgehend nicht mehr erreichbar. Auch im Gehen bleibt Kahrs sich treu.
Seiner Nachfolgerin wünscht er »viel Erfolg«. – »Nun suche ich«, fährt Kahrs fort, »außerhalb der Politik einen Neuanfang«. Eigentlich suchte er ja einen Neuanfang in der Politik. »Nach 21 Jahren im Deutschen Bundestag, seit fast 40 Jahren in der SPD«, schreibt Kahrs, »wird es Zeit, für mich andere Wege zu gehen.« – Ein hübscher freudscher Kommafehler am Ende einer politischen Karriere von einem, der noch einige Monate brauchen wird, bis er merkt, dass niemand für ihn den weiteren Weg in der Politik gehen wird. Ab heute ist er raus aus dem Geschäft.


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