Alle fragen, ob die zweite Corona-Welle kommt, da erklärt der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, CSU, dass die zweite Welle bereit da sei. In einem Interview erklärte er, »die zweite Welle sei da.« Was genau er mit einer zweiten Welle meinte, sagte Söder nicht.
Statt dessen gab Söder sich einen wissenschaftlichen Anstrich, indem er ausführte, »keiner könne sagen, ab wann der Sprungpunkt zu einer exponentiellen Entwicklung und damit wieder zu einer dramatischen Überforderung des Gesundheitssystems entstehen kann«. Offenbar unterschlägt der Minister die Tatsache, dass die allermeisten Infizierten keinerlei oder nur geringe Symptome aufweisen. Es handelt sich überwiegend um Reiserückkehrer und jüngere Personen. Die aktuelle Situation ist mit dem Frühjahr überhaupt nicht vergleichbar. Und eine exponentielle Entwicklung zeigt die aktuelle Kurve nicht einmal im Ansatz, wie die Graphik unter dem Interview zeigt.
Vor dem Hintergrund dieser von Söder als dramatisch dargestellten Lage hatte die bayerische Landesregierung ihren Bußgeldkatalog auf 250 Euro für den einmaligen Fall und bis zu 500 Euro für mehrmalige Verstöße angehoben. Verstöße gegen Quarantäneauflagen sollen mit 2000 Euro Strafe geahndet werden. Den anderen Ländern und dem Bund empfahl der Ministerpräsident eine »spürbare« Untergrenze von 100 oder 150 Euro. Man müssen »die Zügel anziehen«, betonte er mit einem Bild aus der Pferdedressur.
Zugleich zeigte Söder sich väterlich. Ähnlich wie schon Kanzlerin Merkel, die kritisiert hatte, dass einige Bürger sich die Hände nicht waschen, sprach er zunächst lobend davon, dass die meisten Bürger vernünftig sind, um dann zu warnen. »Aber wir haben auch einige, die unvernünftig sind.« »Die Kunst«, setzte er pädagogisch fort, »ist es jetzt, die Vernünftigen vor den Unvernünftigen zu schützen - und die Unvernünftigen vor sich selbst.« – Eine klassische rhetorische Wendung aus dem Vokabular autokratischer Herrscher.


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