Als am Freitag Bayern München die Mannschaft von Schalke 04 mit 8:0 deklassierte, trug niemand auf der Ehrentribüne eine Maske. Formal war das wahrscheinlich in Ordnung - aber das Bild musste auf die Bürger verheerend wirken: Die Oberen kümmern sich herzlich wenig um die Gesundheit.
Ob das für Ministerpräsident Söder der Anlass war, nun mit einer neuen Forderung in die Öffentlichkeit zu treten, lässt sich nicht sagen. Jedenfalls fordert er nach einem erneuten Anstieg der Infektionszahlen eine Maskenpflicht auch auf öffentlichen Plätzen. Dabei nannte er selber Fotos von Plätzen in Münschen »schon verstörend« - Menschen saßen dicht gedrängt, ohne Abstand und ohne Maske.
Er wolle keinem die Freude nehmen, betonte Söder. »Aber Freude und Vernunft sollten besser zusammenkommen.« Man müsse die Corona-Zahlen wieder unter den Grenzwert zu bekommen. Am Sonntag hatte die Zahl der Neuinfizierten mit 55,6 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner in einer Woche einen nach Söder zu hohen Wert erreicht. Dabei hat das RKI wieder und wieder betont, nicht die absolute Zahl, sondern die relative Zunahme der Neuinfektionen sei entscheidend für das Infektionsgeschehen - der R-Wert misst genau diese Entwicklung.
In München soll die Verschärfung schon sehr schnell umgesetzt werden. Söder erklärte, er sei für eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen, »wo kein Abstand halten möglich ist oder gewollt ist«. Nur so könnten die Ordnungsbehörden reagieren. Der Oberbürgermeister Dieter Reiter, SPD, sei »auf unserer Seite«.
In den Kommunen wird es noch ein paar Tage dauern. Allgemeine soll eine öffentliche Maskenpflicht bestehen, falls Zahl der Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen bei mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohner liegt. Wie die Kommunen auf die neuen Beschränkungen reagieren, ist nicht bekannt. Dort hatte man weitere Lockerungen beschlossen: Seit Samstag dürfen auch Bars und Kneipen unter bestimmten Auflagen wieder öffnen.
Die Fans des FC Bayern München kümmert das alles wenig. Sie wollen zum Super-Cup Spiel gegen den FC Sevilla nach Budapest reisen - ein Corona-Risikogebiet. Die Europäische Fußball-Union lässt das Spiel am Donnerstag vor einem zu einem Drittel gefüllten Stadion stattfinden. Aus München werden etwa 2,000 bis 3,000 Fans anreisen. Ihnen droht Söder mit schärferen Regeln zur Quarantäne.


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