Nicht jeder in Deutschland wartet auf ›Killer-Viren‹, hamstert Impfstoff, droht mit neuen Maßnahmen für den Herbst und blockiert die Auswertung der Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren verhängt worden sind. Nein, es gibt Ärzte, die ihrer Verantwortung gerecht werden wollen, und die Wirkung der teilweise staatlich, teilweise aber auch privat verhängten Maßnahmen zur Eindämmung von Corona detailliert untersuchen.
So der Direktor der Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Dresden Reinhard Berner. Der Kinderarzt hat eine sogenannte Meta-Analyse angefertigt, also eine Studie, die andere Studien analysiert. Das geht schnell, ist effektiv und gibt einen guten Überblick, welche Maßnahmen wie und wo wirkten – oder auch nicht. Sein Resümee:
»Wenn wir davon ausgehen, dass wir es in Zukunft mit Varianten zu tun haben, die vergleichbar sind mit denen der vergangenen zweieinhalb Jahre, dann gibt es keine Rechtfertigung mehr für Schulschließungen – vor allem vor dem Hintergrund einer verfügbaren und wirksamen Impfung.«
Ein Vergleich der Maßnahmen zeigt dabei deutlich: Für bestimmte Maßnahmen lässt sich eine Wirkung schlechterdings nicht belegen. Ein Beispiel:
Helsinki verhängt eine Pflicht zum Tragen einer Maske in Grundschulen. Im 170 Kilometer nördlich von Helsinki gelegenen Turku gab es diese Pflicht nicht. Das überraschende Resultat: Die Infektionshäufigkeit war an beiden Orten über sechs Monate die gleiche.
Dafür sind jedoch nicht die Masken der Grund. Deren Wirksamkeit steht für Reinhard Berner außer Zweifel. »Aber das gilt nur, wenn man sie auch bestimmungsgemäß trägt.« Mit anderen Worten: In Helsinki wurden die Masken nicht so getragen, wie es notwendig ist.
Doch wo ein Bundesgesundheitsminister jetzt wahrscheinlich für eine polizeiliche Überwachung der Maskenpflicht in Grundschulen eintreten würde, urteilt der Kinderarzt ganz pragmatisch. »Solange künftig Varianten wie Omikron auftreten«, folgert Berner, »können sich Politiker das Verordnen einer Maske in Grundschulen sparen.«
Sparen ist nett formuliert. Beim Vergleich der Studien zeigte sich auch: Die Schüler wurden im Lockdown immer dicker. 16 Prozent aller Kinder haben während der Corona-Krise zugenommen, zählt man nur die Zehn- bis Zwölfjährigen liegt der Anteil sogar bei über 30 Prozent.
Insgesamt stellt der Kinderarzt aus Dresden fest: »Ohnehin negative Tendenzen wurden verstärkt, und viele Dinge sind wahrscheinlich auch nicht zurückzudrehen.« – Ein vernichtendes Urteil über eine Politik, die sich um unsere Kinder nicht kümmert.


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