Als der Ministerpräsident von Thüringen Bodo Ramelow vor einem Jahr plötzlich vom Parlament abgewählt worden war, drückte er kräftig auf die Tube: Die Wahl eines Liberalen als Nachfolger eines Linksfaschisten erinnerte ihn an den Tag von Potsdam.
Ein Jahr später sitzt der Herr wieder im Amt – nur mit der Würde ist es nicht so weit her.
In einer Talk-Runde einer amerikanischen Social-Media-App names Clubhouse gab der Politiker zum besten, wie er seine Kanzlerin nennt und was er bei den teilweise 10-stündigen Sitzungen, in denen die Ministerpräsidenten der Länder die Maßnahmen zum Lockdown beschließen, so alles durchmacht. Entwürdigend ist dabei nicht, dass er Angela Merkel ›Merkelchen‹ nennt – der angedeutete Kalauer wäre selbst mit ›F‹ allenfalls dämlich.
Nein, würdelos ist es, wenn ein Ministerpräsident damit prahlt, in einer Sitzung von 10 Stunden 10 Level des SmartPhone-Spiels ›Candy Crush‹ zu schaffen – so berichtet die Welt. Crush steht für zerkleinern, zerquetschen, vernichten. Und genau das macht die Runde der Ministerpräsidenten ja gerade: Sie zerkleinert, zerquetscht, vernichtet – die Rechte der Bürger.
Wie gesagt – vor einem Jahr drückte derselbe Politiker noch auf die Tränendrüse, als er sich betroffen zeigte über seine Abwahl. Und man möchte gar nicht wissen, wie empört der Mann der Ex-PDS wäre, hätte einer seiner konservativen Gegner ›Candy Crush‹ gespielt, während er, Ramelow, nach Merkelchens Intervention wieder zum Ministerpräsident gewählt worden ist. – Und nun beseitigt er die Grundrechte der Bürger während er spielt.
Doch er wurde erwischt. In der Talkrunde saß ein Journalist, der es nicht gut mit Ramelow meinte.
Im ersten Moment reagierte Ramelow noch souverän und erklärte: »Ich bin alt genug, um in einem offenen Raum mich frei und uneingeschüchtert zu äußern«, retournierte er auf Twitter: »Ich fand den Abend sehr wohltuend.«
Dann geriet er in den Strudel schlechter Ausreden, die immer nur noch schlechter werden. Er schwatzte was von ›aus dem Kontext gerissen‹. Versuchte es mit einer seltsamen Logik, indem er auf das Thema der Runde verwies: »Trash und Feuilleton« – Ramelow ernsthaft: »Wenn man über Trash redet, dann ist es trashig«. Ebenso könnte man schließen: ›Wenn man über Unsinn redet, dann ist es unsinnig‹. – Was offenbar ebenso unsinnig ist, wie zu sagen, wenn man über Ramelow redet, dann wird es »low« – englisch für niedrig, gering.


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