Seit weit über 100 Jahren Es gehört zu den liebsten Übungen der Deutschen Presse, über Großbritannien zu lästern. Der Brexit war nur eine Episode von vielen. Jetzt ist die Energiekrise dran.
Dabei erlebt die Insel momentan, was Deutschland in den nächsten Jahren tatsächlich droht. Nach Jahren einer verantwortungslosen und durch infantile Kampagnen unterstützten Energiepolitik gehen zuerst die Preise durch die Decke, dann Unternehmen pleite und schließlich die Reserven zur Neige. In den letzten Wochen war diese Entwicklung beim Gas deutlich zu sehen.
Jetzt droht ein ähnliches Spektakel beim Benzin. Seit Tagen wird der Nachschub für die Tankstellen immer geringer. An vielen Zapfsäulen bilden sich lange Schlangen. Die potentiellen Kunden machen das, was auch in Deutschland in einem solchen Fall jeder machte: Sie hamstern den Treibstoff. Die Folge: Das Benzin verschwindet noch schneller vom Markt. Ein Tankstellenbetreiber berichtet, er habe mittags »einen Tank voll Benzin« erhalten, doch »am späten Nachmittag war der Inhalt bereits in den Autos der Leute verschwunden« Die Hälfte der 8.000 Tankstellen hatte am Sonntag.
In Großbritannien wird diese Krise durch einen akuten Mangel an Fahrern von Lastkraftwagen forciert. Denn Treibstoff sei, so die Betreiber der Tankstellen wie Shell, BP und Esso reichlich »in den britischen Raffinerien«.
Schon haben die Gewerkschaften gefordert, Arbeitnehmer in Schlüsselbranchen wie Ärzte, Lehrer und Polizisten bevorzugt mit Benzin zu versorgen. Mittlerweile hat die Armee angekündigt, bei einer Verschärfung der Lage, die Verteilung mit ihrem Personal zu übernehmen.
Häme kommt aus Deutschland. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz verwies auf den Brexit. »Wir haben hart daran gearbeitet«, erklärte der Finanzminister, »die Briten zu überzeugen, die Union nicht zu verlassen.« Angeblich hätten zu niedrige Löhne dazu geführt, dass zu wenig Fahrer vor Ort sind. »Wenn Sie nicht genug Menschen finden, die den Job machen wollen, hat das möglicherweise mit den Arbeitsbedingungen zu tun.«
Das mag zum Teil stimmen – allerdings ist der Auslöser der Krise der Mangel an Energie wie zum Beispiel Gas. Und der hat mit dem Brexit herzlich wenig zu tun, aber sehr viel mit der Energiepolitik der EU. Und deren Folgen treffen früher oder später auch Deutschland. Nur dass hierzulande keine Armee für den Notfalleinsatz mehr bereitsteht.


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