Wenn 60 Prozent der Bevölkerung geimpft sind, bleiben immer noch 40 Prozent die sich der Impfung verweigern. Vier von sechs ist viel, auch wenn der Mainstream den Eindruck erweckt, bei den Ungeimpften handele es sich um eine Minderheit von renitenten, verantwortungslosen Spinnern. Tatsächlich haben die 60 aber noch nicht einmal eine verfassungsgebende Mehrheit. Aber so weit sind wir noch nicht.
In Los Angeles County, dem Landkreis mit der gleichnamigen US-amerikanischen Großstadt, haben die Behörden gerade die Macht der Ungeimpften erfahren. Weil der Polizeichef fürchtet, dass im Falle einer Impfpflicht viele seiner Mitarbeiter kündigen werden, hat Alex Villanueva, 58, der gewählte Sheriff erklärt, die Impfpflicht nicht durchzusetzen.
Kündigen viele Polizisten in der Großstadt, wird das Leben gefährlich. Das erklärte Alex Villanueva in einem Gespräch mit Der Welt. Dabei erweist sich der Polizist als klug, ja man muss sagen weise.
Zunächst erklärt er allerdings die Entscheidung des obersten Aufsichtsorgans des County für illegal. Damit habe »Damit haben sie ihre Befugnisse überschritten.« Seiner Einschätzung nach handelt es sich bei der Impfung um eine »persönliche Entscheidung«, die jeder für sich treffen müsse. Er selber ist geimpft. Aber Zwang auf andere ausüben zu sollen, weigert er sich.
Dabei akzeptiert er die Bedenken der Ungeimpften. »Dieser neue Impfstoff ist noch nicht einmal ein Jahr alt«, erklärt der Polizeichef. »Wir kennen die Langzeitwirkungen noch nicht. Es gibt also eine Menge Fragen, die die Menschen haben, berechtigte Fragen, auf die wir noch keine Antworten haben.«
Aber auch faktisch sieht sich der oberste Sheriff in einer schlechten Lage. Er schätzt, dass 40 Prozent seiner Mitarbeiter ungeimpft sind. Viele von ihnen haben lange genug gearbeitet, um auf Rente zu gehen. Und das würden sie machen. Dann aber ist es um das Funktionieren seiner Behörde geschehen. Und er ist sicher, dass die meisten lieber auf die volle Rente verzichten, als sich impfen zu lassen.
In seiner Behörde stehen praktisch alle hinter der Entscheidung des Chefs. »Aber es gibt eine kleine Gruppe von Leuten«, ergänzt Villanueva, »die allen etwas vorschreiben wollen. Das sind dieselben Leute, die alle einsperren wollten. Die Gewinner und Verlierer auswählten, indem sie sagten, welche Unternehmen ›lebensnotwendig‹ und welche ›nicht lebensnotwendig‹ und damit viele geschlossen und zerstört haben. Ich orientiere mich an dem, was funktioniert, und an den Tatsachen.«
Für deutsche Verhältnisse geradezu undenkbar sind die Ausführungen des obersten Polizeichefs von Los Angeles, in denen er ein Verständnis für seine Mitarbeiter zeigt, dass Figuren wie Karl Lauterbach, Jens Spahn und den Einsatzleitern der Berliner Polizei völlig fehlt. »Indem die Behörden versuchen, die Impfpflicht durchzusetzen, zeigen sie, dass sie nicht begreifen, dass unsere Belegschaft eher konservativ eingestellt ist«, führt Villanueva aus. »Die Impfpflicht ist jetzt so politisiert, dass die Leute keine rationalen Entscheidungen mehr treffen, weder für ihre eigene Sicherheit, noch für ihre eigene Gesundheit, geschweige denn für ihre eigene Karriere.«
Mit anderen Worten: Der Druck der Behörden erzeugt Gegendruck. Zu dieser Erkenntnis gehört offenbar eine Weisheit, über die deutsche Politiker und Behördenleiter wohl nur selten verfügen.
Dann kommt wieder der Pragmatiker durch: »Ich kann nicht über Nacht fünf oder zehn Prozent meiner Belegschaft wegen einer Impfpflicht verlieren. Das führt nicht zu mehr Sicherheit.« Einmal mehr sieht man, wie nah Pragmatismus und menschliches Verständnis sich sind. Warum ? – Weil Pragmatiker die Menschen verstehen und nicht zwingen wollen.


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