Man kann vieles über die polnische Wirtschaft sagen, doch in einem Punkt dürften sich alle einig sein: Warschau handelt pragmatisch. Und während die Berliner Politik seit Monaten über eine Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerken diskutiert, legt die polnische Regierung ein praktisches Angebot vor; sie hat Interesse bekundet, deutsche AKWs zu pachten.
Eigentlich stammt die Idee von der kleinen Linkspartei Lewica Razem. »Wenn die Deutschen ihre Kernenergie nicht selbst nutzen wollen«, hatte die Razem-Abgeordnete Paulina Matysiak gefordert, sollten sie sie verpachten. Deutsche AKWs sollten »zum Wohle der Sicherheit Europas und des Klimas«, weiterlaufen, schrieb kurz darauf Parteichef Adrian Zandberg. Die polnische Regierung möge der Ampel-Regierung einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten.
Kaum aufgebracht, begann Ende vergangener Woche, der Europa-Ausschuss des polnischen Parlaments den Vorschlag zu debattieren. Natürlich hat das Ansinnen keine Chance einer Realisierung. Aber darum geht es Warschau auch nicht.
»Die Pacht ist nur ein Schlagwort«, erklärte ein polnischer Experte. »Sie soll die Aufmerksamkeit auf ein Problem lenken«. Es sei schwierig, die deutsche Politik zu verstehen. »Jedes Megawatt sei Gold wert«, heißt es weiter. Doch die Deutschen hielten an alten Beschlüssen fest, selbst wenn sich die Umstände komplett geändert haben.
Im Regierungslager in Warschau fand der Vorschlag Gehör. Der Abgeordnete Janusz Kowalski, Solidarna Polska, unterstützt ihn und findet zugleich klare Worte für die Ampel-Regierung: »Das Problem der deutschen politischen Debatte ist ganz einfach: Sie sind unfähig, ihren Fehler einzugestehen und einen Rückzieher zu machen.«
Berlin hat noch nicht reagiert. Dort diskutiert man noch ein wenig weiter, derweil Herbst und Winter nahen.
Unser Vorschlag: Die AKWs a la Christo verhängen und behaupten, die Polen hätten die Kernkraftwerke geklaut. Der zusätzliche Strom kommt für die Grünen bekanntlich ohnehin aus der Steckdose


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