Nach Plagiatsvorwürfen gegen Annalena Baerbock:

Plagiate von Annalena Baerbock_ Grüne lenken vom Thema ab!

Nach Vorwürfen gegen Annalena Baerbock, ihr Buch ›Jetzt‹ enthielte Plagiate, reagieren die Grünen beleidigt und lenken vom Thema ab.

›Was trifft, trifft zu‹, sagt der Wiener Satiriker Karl Kraus. Das gilt auch für die Grünen und Annalena Baerbock, deren Buch ›Jetzt‹ dem Vorwurf ausgesetzt ist, mehrere Passagen seien wortwörtlich aus anderen Texten kopiert: Die Grünen sprechen von »Rufmord« und drohen ihren Kritikern mit dem Anwalt.

Anders als bei den amateurhaften Korrekturen von Baerbocks Biographie reagieren die Grünen diesmal also schnell und heftig. Was aber nicht heißt, dass ihre Reaktion sonderlich klug ist. Eine Partei, die sich der sogenannten »Kritischen Theorie« verbunden fühlt, sollte mit Kritik gelassener umgehen können. Und wenn sie schon nicht ruhig bleiben kann, sollte sie es geschickter angehen, als beim Bildungsdesaster von Frau Baerbock.

Aber das können sie nicht.

Grünen-Sprecher Andreas Kappler twittert, wie schon im Mai, als erste Fragen zum Lebenslauf von Baerbock auftauchten, aufgeregt: »Was unter #Baerplag läuft ist der Versuch von Rufmord. Wir weisen den Vorwurf einer Urheberrechtsverletzung entschieden zurück. Statement auch von Rechtsanwalt Prof. Dr. Christian Schertz im Thread«

Der eingeschaltete Anwalt von Frau Baerbock stößt ins gleiche Horn und schreibt: »Ich kann nicht im Ansatz eine Urheberrechtsverletzung erkennen, da es sich bei den wenigen in Bezug genommenen Passagen um nichts anderes handelt, als um die Wiedergabe allgemein bekannter Fakten sowie politischer Ansichten. Ebenso wie Nachrichten nicht urheberrechtsschutzfähig sind gilt dies auch für historische Tatsachen bzw. allgemein bekannte Erkenntnisse im Zusammenhang mit Ökologie und Umwelt. Diese sind sogenannte public domain. Der Vorwurf entbehrt damit jeglicher Grundlage. Es ist offenbar erneut der Versuch einer Kampagne zum Nachteil von Frau Baerbock.«

Doch das Einzige, was hier offenbar ist, ist der missglückte Versuch der Grünen und ihres Anwalts, vom eigentlichen Vorwurf abzulenken. Im Fokus des Plagiatsjägers Dr. Stephan Weber steht nicht die Urheberrechtsverletzung; die wurde von ihm eher am Rande erwähnt und spielt in dem Text keine Rolle. Es geht allein um den Vorwurf des Plagiats.

Und ein Plagiat ist, so Wiki, der »Diebstahl geistigen Eigentums«. Als Beispiel nennt Wiki die »Übernahme fremder Texte«. Das aber genau hat Baerbock gemacht, wie der Plagiatsjäger ohne Frage nachweisen kann: Sie hat einen fremden Text übernommen. Was die Grünen auch gar nicht bezweifeln. Sie unterstellen dem Plagiatsjäger, auf die Kopie des geistigen Inhalts zu zielen: Er, der Stephan Weber, habe ihr, Annalena Baerbock, vorgeworfen, sie habe die Liste der Länder kopiert, die 2004 der Europäischen Gemeinschaft beitraten.

Nur hat er das nicht. Ja, in der Liste sieht er, übrigens völlig zu recht, kein Problem. Das Problem entsteht erst, wenn die gesamte Passage wortwörtlich kopiert worden ist. Und genau das ist geschehen und ist genau das, was man Plagiat nennen kann. Das ist alles.

Ein Blick auf die Tweets im Gefolge des Statements des Grünen-Sprechers macht dann deutlich, was bei den Grünen grad abgeht: Sie sind im Zustand der Paranoia. Mehrfache Hinweis auch wohlgesonnener Leser, es ginge um die Wortgleichheit und nicht um den Inhalt, werden brutal abgebügelt. Und als alles nicht fruchtet, werden Verschwörungstheorien angerührt: »Wer hat den ›Plagiatsjäger‹ beauftragt?« fragt User Deprecated Code: »Das wird allmählich immer trumpesker.«

Bei den Grünen ist Landunter und nun suchen sie nach einem Sündenbock und Hintermännern einer Intrigen gegen ihre Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Dass die Jäger sich zudem sehr erfolgreich des bei Linken und Grünen beliebten Hashtags bedienen – #baerplag – macht die Sache rund. Die Grünen werden mit ihren eigenen Mitteln geschlagen.

Daher wirkt die Verteidigung der Grünen auch so wenig überzeugend. Ausgerechnet die Partei, die in den vergangenen 40 Jahren Politiker der Gegenseite rücksichtslos demontiert hat, wenn sie konnte, duldet keine Kritik an ihrer Kandidatin.

Die Hamburger Grüne Katharina Fegebank twittert empört in Richtung Markus Blume, CSU: »Jetzt drehen Sie völlig am Rad, Markus Blume! Immer schön mit Dreck schmeißen, irgendwas bleibt hängen. Diese Schmutzkampagne ist so unwürdig und zeigt, dass hier der moralische Kompass mächtig verrutscht ist«. Was hatte Blume böses geschrieben ? – »Vorsätzlich getäuscht, schlampig gearbeitet und bei der eigenen Leistung schon wieder hochgestapelt - das hat bei @ABaerbock scheinbar System und erschüttert einmal mehr ihre Glaubwürdigkeit.«

In einem Buch nach Textpassagen zu suchen, die wortwörtlich abkopiert wurden, ist in den Augen einer Grünen also eine Schmutzkampagne. Fraktionschefin Katrin Göring-Eckhardt äußert sich auf Twitter ähnlich: »Wir führen gern harten Wahlkampf, heftige Auseinandersetzung über Außen- und Innenpolitik über Klimaschutz und Innere Sicherheit, über soziale Gerechtigkeit, Kultur, Bildung - alles! Aber hört auf mit diesem Schmutz. Demokratischer Wettbewerb hat auch mit Anstand zu tun #Baerplag.«

Für das Mitglied einer Partei, die Mitglieder anderer Parteien regelmäßig als Nazis beschimpft, sind das starke Worte. Letztendlich beweisen sie aber nur, was Karl Kraus bereits sagte: ›Was trifft, trifft zu.‹ Annalena Baerbock hat abgeschrieben. Und es bleibt nur die Frage, was schlimmer ist: Dass sie so blöd ist, es zu versuchen oder dass sie zu blöd ist, es so zu machen, dass keiner es merkt.

Für die Grünen kommt es nun immer dicker. Denn anders als bei den Aufbesserungen ihrer Biographie, als der Mainstream wochenlang schwieg, sind diesmal sämtliche Medien mit von der Partie. Mal sehen, wann die 15 Prozent der SPD erreicht sind. Am Ende steht die Partei vielleicht dort, wo sie im Bundestag jetzt schon steht: Bei etwa 8 Prozent.

Sven von Storch

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