Copy und Paste ohne Ende

Plagiate_ Baerbock schrieb auch bei Habeck ab

Der Plagiatsforscher Stefan Weber hat weitere Passagen in Annalena Baerbocks Buch gefunden, bei denen sie abgeschrieben hat. Pikant daran: Sie kopierte bei Robert Habeck.

Langsam ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sollte die Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sagen, wie viele Stellen in ihrem Buch sie nicht selber, sondern bei anderen Autoren abgeschrieben hat. Sonst geht es den Plagiatsjägern wie vielen Kindern nach Ostern: Sie finden die Eier erst sehr viel später.

Aber wahrscheinlich weiß Frau Baerbock gar nicht mehr, um welche Stellen es sich handelt. Und so müssen die Plagiatsjäger weiter jagen. Fündig werden sie jedenfalls immer noch. Diesmal geht es um die folgende Passage zur Bildungspolitik. Originalton Habeck:

»Da das Bildungs- und Schulsystem nicht neutral gegenüber soziokulturellen Verprägungen ist, muss man die Annahme von Gleichbehandlung und gleicher Teilhabe vom Kopf auf die Füße stellen. Obwohl seit 2010 die Bildungsausgaben um rund 30 Prozent gestiegen sind.«

Bei Baerbock liest es sich: »Seit 2010 sind die Ausgaben sogar um 30 Prozent gestiegen. Das Hauptproblem ist auch hier, dass das System vom Kopf auf die Füße gestellt werden müsste.«

Eines wird hier schnell klar: Beide Passagen weisen deutliche Ähnlichkeiten auf. Die gleiche Wortwahl; die gleiche Folge von Thesen. Nichts ist originell, das meiste längst widerlegt. Ein Beispiel: Berlin gibt pro Kopf erheblich mehr Geld für den einzelnen Schüler aus als Bayern, aber in Sachen Bildung liegt Berlin wie immer hinten.

Ein Blick auf beide Passagen verrät nun aber noch mehr: Beim Text von Baerbock handelt es sich um eine Zusammenfassung der Thesen Habecks. Die kann auf zwei verschiedene Arten entstanden sein.

Entweder hat die grüne Kanzlerkandidatin das Buch ihres Parteikollegen selber gelesen, da Bildung nun wahrlich nicht ihr Ding ist, und dann eine Zusammenfassung erstellt. Oder Annalena Baerbock hat jemanden beauftragt, eine Zusammenfassung für sie zu erstellen.

Plagiatsforscher Stefan Weber, der auf einen reichen Schatz von Erfahrungen zurückgreifen kann, vermutet letzteres und verweist dann warnend darauf, dass es sich in diesem Fall nicht mehr nur um ein Plagiat handeln würde. »Wäre dies der Fall«, schreibt Weber, »würde zusätzlich zum Plagiat auch noch Ghostwriting bzw. unethische Autorschaft vorliegen, die im faktischen Widerspruch zur wiederholten Aussage von Frau Baerbock stünde, sie habe das Buch bis auf die Stellen von Herrn Ebmeyer selbst verfasst.«

Letztendlich aber steht neben den Pagiatsvorwürfen eine ganz andere Frage im Raum: Wie ist es möglich, dass eine vollkommen unterqualifizierte Frau den Mut hat, sich mit einem solchen Korsett aus Hochstapeleien als Kanzlerkandidatin überhaupt aufstellen zu lassen ? Was sagt es über die Qualität der Medien, dass sie eine Stimmung entstehen lassen, in der eine Frau glaubt, sie käme mit derart dilettantischen Tricksereien irgendwie bis zu den Wahlen durch ?

Sven von Storch

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