Anno 1976 war klar, wer in einem Fernsehduell der Kanzlerkandidaten antreten sollte: Helmut Schmidt gegen Helmut Kohl. Bei der vorherigen Wahl hatte die SPD 45,8 und die Union 44,9 Prozent eingefahren – das waren Zeiten.
In diesem Herbst müssten sich eigentlich Armin Laschet und Olaf Scholz duellieren – ginge es nach den Stimmen, die Union und SPD im Bundestag haben. Aber darum geht es eben nicht mehr. Umfragen haben mittlerweile die Wahlen ersetzt. Also steht fest: Laschet tritt an gegen Baerbock von den Grünen. Selten wurde die absolute Macht der Medien deutlicher klar. Nicht mehr der Bundestag zählt, sondern möglicherweise spitzfindig fingierte Zahlen diverser Institute.
Wenn aber Umfragen die Wahl ersetzen und die Medien in einer Art Schwarmverhalten – von Schwarmintelligenz will ich nicht reden – suggerieren, die Grünen hätten 25 Prozent, dann ist Olaf Scholz sicher kein Dritter im Bunde und gehört als Zuschauer vor den Bildschirm. Denn die SPD hat nach allen Umfragen zur Bundestagswahl zwischen 13 und 15 Prozent; in einigen Bundesländern ist sie schon fast unter die Fünf-Prozent-Hürde gerutscht. Und sollte sich bestätigen, dass die Panik der Corona-Epidemie vor allem durch Lauterbach inszeniert worden ist, dürften es bald noch weniger werden.
Also: Olaf Scholz hat in einem Kanzlerkandidatenduell auf Basis von Umfragewerten nichts verloren. Oder Frau Baerbock bleibt draußen. Denn die Grünen sind im Bundestag noch immer die kleinste Fraktion. Aber was kümmern die Medien schon Wähler und Parlamente.
Im Grund hat sich das Format Kandidaten-Duell überlebt. SPD und Union sind nur noch Schatten ihrer selbst; andere Parteien sind dabei, Mehrheiten zu übernehmen und stärkste Oppositionsmacht zu werden. Der Tag wird kommen, an dem weder Union noch SPD Regierungsbänke besetzen. Medien, die ihren Namen verdienten und die Regierung kritisch begleiten, statt sie zu hofiert, wüssten das. Die GEZ-Medien wissen es nicht.


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