Was in Deutschland und Österreich für die Regierenden ein Leichtes ist, hat in den Niederlanden zu Protesten geführt: Die Verhängung eines Teil-Lockdowns. Die Maßnahmen sind bereits seit Samstag in Kraft. Gastronomie, Geschäfte und Sportaktivitäten sind damit wieder zumindest teilweise geschlossen. Sie müssen teilweise um 20.00 Uhr, Geschäfte, die nichts verkaufen, was dem dringend nötigen Bedarf dient, schon um 18.00 Uhr schließen. Für Treffen in Privatwohnungen gelten wie die bekannten Beschränkungen. Wenn möglich, soll im Homeoffice gearbeitet werden. Anders als bei vorherigen Lockdowns bleiben die Schulen geöffnet.
»Zum Glück ist die große Mehrheit geimpft«, erklärte Regierungsshef Rutte, »sonst wäre das Elend in den Krankenhäusern jetzt unermesslich«. Seltsam, dass Rutte nicht darauf hinweist, dass die Massenimpfung die Ausbreitung des Virus offenbar nicht verhindert. Und so kann er auch nicht wie sein Kollege in Österreich auf die Ungeimpften verweisen – von denen gibt es in Holland nicht mehr sehr viele.
Vielleicht haben deshalb einige Bürger der Niederlande erkannt, dass die Maßnahmen wohl eher ein Akt der Verzweiflung sind als vernünftige Politik. Jedenfalls kam es schon während Rutte den nächsten Lockdown auf einer Pressekonferenz verkündete zu Krawallen.
Dutzende Menschen versammelten sich vor dem Gebäude, in dem der Ministerpräsident sprach und zündeten Feuerwerkskörper. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Laut Bild-Zeitung warfen Demonstranten Flaschen und Ziegelsteine auf Polizeibeamte. Bild berichtet auch von Jagdszenen auf den Straßen.
Der Unmut der Menschen ist nachvollziehbar: Trotz hoher Impfquoten erreichten die Zahlen der Neuinfektionen Ende vergangener Woche neue Höchstwerte. Mit mehr als 16.300 Fällen in 24 Stunden wurde der Wert von knapp 13.000 Fällen im vergangenen Dezember deutlich übertroffen. Nur war damals niemand geimpft.


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