Die politische Schuld der afghanischen Bevölkerung

Niederlage in Afghanistan_ Warum wir keine Flüchtlinge aufnehmen sollten!

Kein westliches Land sollte nach der Eroberung von Kabul und dem Sieg der Taliban Flüchtlinge aus Afghanistan aufnehmen. - Ein Kommentar

Ja, es wird den meisten Afghanen jetzt schlechter gehen. Denn die Taliban sind Islamisten; und da sie überdies seit vier Jahrzehnten Krieg wahlweise gegen die Sowjetunion und gegen die USA geführt haben, sind sie entsprechend brutalisiert. Und mit Sicherheit werden tausende Afghanen mit guten Gründen vor den Taliban fliehen.

Aber!

In einem Blitzkrieg haben die Taliban die Macht in Afghanistan zurückerobert. Die Afghanische Armee leistete praktisch keinen Widerstand. Auch die Bevölkerung nahm die Machtübernahme durch die Islamisten hin. Wie es aussieht, planen aber nicht wenige, in den Westen zu flüchten. Dort lauern schon ihre Unterstützer, die es nicht erwarten können, die nächste Flüchtlingswelle nach Europa zu lassen. Selbst in Regierungskreisen wird über die Aufnahme von Flüchtlingen spekuliert. Nur fragt sich: Warum eigentlich? Warum soll Europa, warum soll Deutschland Flüchtlinge aus Afghanistan zu sich kommen lassen?

Wenn eine Armee nach fast 20 Jahren Ausbildung und sowohl materieller als auch personeller Unterstützung - erinnert sei an die etwa 4.000 getöteten Soldaten aus westlichen Ländern - sich nahezu kampflos ergibt, dann sind diese Soldaten, falls man sie denn so nennen möchte, an einer Verteidigung des erreichten nicht interessiert; entweder weil es nicht erreicht worden ist, oder weil sie gar nicht daran interessiert waren, dass etwas erreicht wird.

Für die Bevölkerung gilt entsprechend: Auch sie hatte 20 Jahre Zeit, sich hinter seine Regierung zu stellen. Getan hat es nicht viel. Zumeist ging es, falls ein Afghane die Alliierten unterstützte, darum, eine mehr oder weniger gute bezahlte Stellung zu ergattern. Einen moralischen Auftrag für ein besseres Afghanistan konnte wohl nur die wenigsten in ihrer Stellung erkennen.

Daraus aber folgt: Die Bevölkerung Afghanistans trifft, was Karl Jaspers nach dem Zweiten Weltkrieg an die Adresse der Deutschen gerichtet "politischer Schuld" genannt hat. Eine Schuld, die entsteht, wenn die Bevölkerung, das Volk oder auch eine Gemeinschaft, zu der ich mich zähle, ein Verbrechen begeht oder auch nur duldet, und ich als Mitglied der Gemeinschaft dazugezählt werde, ohne ein Verbrechen begangen zu haben. In diesem Sinne trifft jeden Afghanen eine Mitschuld an dem, was jetzt geschieht.

Das unterscheidet die Schuld der Bürger in einem sozialistischen Staat wie der ehemaligen Sowjetunion oder Rotchina - sie hatten in den seltensten Fällen die Möglichkeit, gegen die Machthaber zur Waffe zur greifen und für ihre Rechte zu kämpfen. Sie trifft keine Schuld. Doch die Afghanen hatte die Möglichkeit seit langem. Sie haben sie nicht genutzt. Also haben sie auch kein Recht, jetzt nach Europa zu flüchten. Sie alle müssen lernen, in ihrer Heimat für ihre Rechte zu kämpfen. Diesen Kampf kann der Westen nicht für sie kämpfen. Sonst wiederholt sich nur die Geschichte: So wie sich die Afghanische Armee jetzt kampflos den Islamisten ergab, hatten sich die Islamisten 2001 den Amerikanern ergeben und 1979 wiederum die Afghanische Armee den Sowjets.

Afghanistan hat mehr verdient, als Spielball diverser Interessen zu sein. Es braucht seinen eigenen Weg. Und den geht es nur mit Afghanen, die in Afghanistan leben.

Sven von Storch

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