»Ich halte diese Entscheidung für falsch«, erklärt die Sächsische Kulturministerin Eva-Maria Stange in einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung zum Ausschluss des Künstlers Axel Krause und fährt fort: »Es geht nicht, dass Menschen wegen ihrer politischen Haltung stigmatisiert und gesellschaftlich ausgeschlossen werden.«
Eva-Maria Stange sitzt seit 2009 im Sächsischen Landtag und vertritt dort die SPD. Dass Mitglieder der SPD so deutlich klare Kante zeigen gegen die allgegenwärtige und beinahe schon selbstverständliche Repression durch selbsterklärte Tugendwächter gegen Verlage und Künstler, ist eher selten. Eva Maria Stange ist ein Ausnahmefall. Ihr politischer Werdegang legt eine solche aufrechte Haltung nicht unbedingt nahe: Ab 1982 in der SED, die sie 1988 verließ, trat sie 1998 der SPD bei und war zeitweise Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Sachsen und später Bundesvorsitzende der GEW.
Vielleicht gehört sie zu den menschlich Integeren, wie es sie in jedem repressiven Regime gibt.
Vielleicht hat sie erkannt, wie widersinnig die Ausgrenzung eines Künstlers in diesem Fall ist. Bei einem Maler greifen die übliche Argumente gegen einen angeblichen rechten Populismus nicht mehr. Axel Krause kann man schlecht Oberflächlichkeit und einen Hang zu einfachen Konzepten nachsagen. Künstler gelten als kompliziert.
Aber vielleicht ahnt Ministerin Stange auch die heraufziehenden politischen Gefahren, wenn sie beklagt, die Debattenkultur drohe verloren zu gehen. »Sie wurde oft genug und zu Recht für ihre Qualität gepriesen in der Geschichte der Bundesrepublik und insbesondere während der Zeit der Friedlichen Revolution.« Der Hinweis auf 1989 und die Befreiung vom Sozialismus ist interessant. Nur wird leider nicht deutlich, wen und was sie mit damals vergleichen will. Oder glaubt sie vielleicht, der Fall Axel Krause wäre deutlich genug? Im Interview wird sie danach nicht gefragt. Das wäre womöglich zu kritisch geworden.
So bleibt nur der Hinweis auf etwas, was man in einer intakten Demokratie eigentlich nicht eigens sagen muss: »Wir leben zum Glück in einer Demokratie und die fordert uns auf, uns mit Positionen auseinanderzusetzen.«


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