Für einen Moment lang sah es, wie für die Bayern in Bochum, gut aus für »Angstminister« Lauterbach. Zuerst schlug er Richtung Markus Söder, der die Impfpflicht im Pflegebereich einseitig ausgesetzt hat, dann teilt er gegen dessen Vertreter bei Frau Will aus, der Lauterbach gefragt hatte, ob er »heute Abend als Gesundheitsminister oder Privatmann sprechen« würde. »Stellen Sie sich doch nicht dümmer, als Sie sind«, giftete der sichtlich genervte Minister.
Aber dann erging es der – Originalton Oskar Lafontaine – »Covid-Heulboje« Lauterbach wie den Bayern in Bochum vor der Halbzeit, nämlich schlecht. Wie sich zeigte hatte die Kritik aus München einen handfesten Grund. Minister Lauterbach hatte das von ihm unterstützte Gesetz zur Impfpflicht beim Pflegepersonal schlicht schlecht gemacht. Was soll denn mit den Mitarbeitern geschehen, die ungeimpft bleiben?, wurde gefragt. Wird ihnen gekündigt? Wird ihnen ihr Lohn weiter gezahlt? Erhalten sie anschließend Unterstützung vom Staat? – Schon stand es 1:4.
»Wer soll das denn entscheiden, Herr Lauterbach?«, wurde gefragte. »Die Bundesregierung hat wesentliche Umsetzungsdinge nicht mitgeliefert, vor allem bei der allgemeinen Impfpflicht, dazu liegt gar nichts auf dem Tisch.« Doch Talk-Show-Minister Lauterbach wusste nur die ungeschickteste Antwort von allen: »Der Vollzug muss doch von den Ländern kommen, da erwarte ich wenigstens konstruktive Vorschläge und nicht: ‚Der Bund liefert nicht‘.«
Wenn ein Gesetz vom Bund so vehement unterstützt wird, wie dieses Gesetz zur Drangsalierung und Erpressung von Pflegemitarbeiter, die seit zwei Jahren die Kranken pflegen und nicht, wie Karl Lauterbach, nur den Influenzer geben, dann hat natürlich der Bund zu liefern – was er aber nicht tut. Ministerielles Versagen also, was sonst.
Als Minister Lauterbach nichts weiter einfiel, spielte er die Karte, die ihm den Titel »Angstminister« eingebracht hat: Er prophezeite eine Katastrophe für den Herbst. »Die Idee, dass Corona jetzt immer harmloser wird«, schwadronierte er, »das ist eine ganz gefährliche Legende«. Als wüsste Lauterbach, was der Herbst bringt. Oder das nächste Frühjahr.
Mit solchen Argumenten kann man das Corona-Regime mit seinen massiven Einschränkungen der Bürgerrechte noch über Jahre und Jahrzehnte regieren lassen. Die Stimme einer Mitarbeiterin einer Pflegeeinrichtung tat in der Kakophonie des Sozialdemokraten anschließend gut. »Ich möchte meine Mitarbeiter nicht in die geimpften Guten und die ungeimpften Schlechten sortieren«, erklärte Elke Keiner, die Leiterin eines Pflegeheims im sächsischen Freital. Sie finde es zwar nicht richtig, sich als Mitarbeiter nicht impfen zu lassen. »Aber ich akzeptiere es, weil zu einer Demokratie auch Akzeptanz gehört.«
Gegen dieses Argument fiel Lauterbach so wenig ein, wie den Bayern am Samstag gegen Bochum. Und so blieb es beim Schlussstand von 2:4.


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