Die Wahrheit wird von Tätern bekanntlich immer nur stückchenweise gestanden. An diesem Punkt ist Kanzlerin Merkel nicht anders. Nachdem sie gestern zugab, uns ist das Ding aus der Hand geglitten, hört man heute aus Davos: »Wir haben alle Fehler gemacht.« Das scheinen deutliche Worte zu sein.
Tatsächlich muss man zunächst einmal klären, was die Kanzlerin meinte. »Wir haben alle Fehler gemacht.« oder doch eher: »Wir haben alle Fehler gemacht.«
Im ersten Fall hat sie recht: Diese Regierung hat wirklich alle Fehler gemacht, die gemacht werden konnten. Sie reagierte zu spät, sie reagierte träge und sie reagierte falsch.
Im zweiten Fall hat sie unrecht und es handelt sich bei ihrem Geständnis um die böswillige Ablenkung von den eigenen Fehlern. Denn es haben längst nicht alle Fehler gemacht. Aber sie und ihre Bundesregierung haben Fehler gemacht. Nicht nur jetzt, sondern überhaupt in den vergangenen Jahren. Fehler, für die Junge mit ihrer Jugend bezahlen und viele Alten mit ihrem Leben.
Frech ist, mit welcher Beliebigkeit Merkel Fehler benennt, um von anderen Fehlern abzulenken. Sie spricht von einer nur lückenhaften digitalen Vernetzung der Gesundheitsämter – erst gestern hatte sie den Gesundheitsämtern Untätigkeit vorgeworfen. Weiß diese Dame eigentlich noch, wovon sie redet ? Weiß sie nicht, wer für die digitale Unterversorgung verantwortlich ist ? Oder will sie es einfach nicht wissen ?
Doch Merkel wäre nicht Merkel, wenn sie nicht den einen Fehler eingestünde und gleich den nächsten beginge. Sie gibt sich wieder einmal spendabel und sagte weitere Unterstützungen armer Länder zu. Beim Wiederaufbau nach der Corona-Epidemie werde sie helfen, die Bundesregierung würde »noch eine Schippe drauflegen«. Und das, während sie Deutschland mit ihrer Politik wirtschaftlich ruiniert.
Besonders pikant ist Merkels Idee, von einer gerechten Verteilung des Impfstoffs. Meint sie, die anderen müssten Jens Spahn von ihren Anteilen etwas abgeben, weil ihr Gesundheitsminister beim Verteilen nicht aufgepasst hat ? In Sachen Impfstoff gehört Deutschland bereits zu den ärmeren Ländern – ein kleiner Vorgeschmack auf kommende Zeiten.
Die »Stunde des Multilateralismus« sei gekommen, tönt Merkel; sie hätte auch Verstaatlichung sagen können oder gleich Sozialismus. Ihre Forderung, Monopole im IT-Bereich zu bekämpfen, hört sich an, wie aus dem Lehrbuch eines Marxisten. Dass es ihre Politik war, die dafür sorgte, dass Deutschland mittlerweile digitale Provinz ist, zählte nicht zu den Fehlern, zu denen Merkel sich bekannte. Plant sie jetzt eine international organisierte Enteignung privater IT-Unternehmen, um Deutschland digital nach vorne zu bringen ?


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