Einige halten es für einen verfrühten Aprilscherz, andere protestieren: Aber heute erhält der ehemalige Chef der EZB, Mario Draghi, aus den Händen des Bundespräsidenten Walther Steinmeier das Bundesverdienstkreuz.
Der als Enteigner des deutschen Sparers bekannte Italiener hat allem Anschein nach diese Auszeichnung nie und nimmer verdient. Entsprechend reagieren einige Politiker von CDU und CSU unwirsch. So bemerkte der Innenexperte der CDU laut Zeit: »Die Politik der Europäischen Zentralbank unter Draghi hat nicht nur deutsche Sparer kontinuierlich enteignet, sondern die Altersvorsorge von Millionen Menschen in Deutschland geschmälert«. Auch aus der CSU hieß es: »Man muss sich vor Augen führen, dass nun ausgerechnet der Mann ausgezeichnet werden soll, der mit seiner Zinspolitik seit Jahren für eine Art schleichender Enteignung all jener steht, die vorausschauend zurückgelegt, gespart und für das Alter investiert haben«, sagte der Generalsekretär der bayerischen Schwesterpartei.
Allerdings müssen sich diese Politiker umgekehrt fragen, wer denn Draghi zu Amt und zweifelhaften Würden verhalfen. Ohne die Unterstützung durch die Bundesregierung hätte der Italiener sein Unwesen nicht von 2011 bis zum vergangenen Oktober treiben können. Es ist also nur folgerichtig, Draghi eine Anerkennung zukommen zu lassen. Die Christdemokraten, die jetzt protestieren, hätte die Inthronisierung Draghis verhindern sollen, was sie aber nicht haben.
Tatsächlich macht die Verleihung des Preises an Draghi sogar Sinn. Denn so erhält mit dem Italiener ausgerechnet ein Mann, dem die Inflation immer am Herzen lag, eine Auszeichnung, die bisher 257.000 Mal ausgeteilt wurde – also häufiger als das Eiserne Kreuz I Klasse im Ersten Weltkrieg.


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