Zwischen dem Siemenskonzern und den Klimaaktivisten von »Fridays for Future« tobt um die Beteiligung des deutschen Industrieunternehmens an einem australischen Kraftwerksprojekt ein heftiger medialen Kampf. Vor einigen Tagen nun hatte Siemens-Chef Joe Kaeser der 23-jährigen Chefin von FFF die Mitarbeit bei der künftigen Siemens Energy angeboten. Sie lehnte jetzt ab.
Das Manöver von Joe Kaeser war äußerst geschickt. Und auch wenn Fräulein Neubauer den Trick nicht durchschaut hat – aber der Siemens-Chef wusste genau, dass sie niemals annehmen konnte; dass sie aber bei einer Ablehnung noch schlechter dasteht. Sie saß in einer Zwickmühle fest.
Annehmen durfte sie den Posten in gar keinem Fall. Sie ist Politikerin mit einem starken Hang zur Selbstpräsentation. Abwägen und rational entscheiden ist nicht ihr Ding. Und mit Parolen brüllen und Hüpfen in Gruppen führt man vielleicht die SPD, aber sicher kein Unternehmen. Kurz: Luisa Neubauer wäre ohne Frage gescheitert.
Ablehnen durfte sie aber ebenfalls nicht. Denn nun steht sie als diejenige da, die nicht Arbeiten geht und auch nicht arbeiten will. Und diese Kritik begleitet ohnehin schon jeden ihrer Auftritte in der deutschen Medienlandschaft. Kurz: Luisa Neubauer bestätigt das Bild, das sie in der Öffentlichkeit abgibt.
Das wird auch durch Neubauers Vorschlag, Siemens möge an ihrer Stelle eine Person aus dem Dunstkreis von »Scientists for Future« anstellen, nicht besser. Siemans hat, worauf Kaeser in seiner Antwort zu recht verwies, »Experten und Wissenschaftler genug«. Und hinter dem seriösen Namen »Scientists for Future« verbirgt sich tatsächlich eine Liste, auf der vom Historiker bis zum Kindergärtner so ziemlich jeder abzeichnen darf.
Nach dieser veritablen propagandistischen Niederlage von Fridays for Future hat Siemens seine Entscheidung verkündet, die Beteiligung an dem australischen Kohlekraftwerk nicht streichen zu wollen. Als Unternehmen sei es an Verträge gebunden und lebe von seinem Ruf, zuverlässig zu sein. Das macht den Unterschied zur Bundesregierung. Und deshalb kann Luisa Neubauer im Kanzleramt punkten, nicht aber gegenüber einem Konzernchef.
Kleiner Trost für die Verlierer: Das Kohlekraftwerk in Australien entscheidet nicht über den Fortbestand der Menschheit oder der Welt. Aber darum geht es den Mitgliedern der Klimakrabbelgruppe um Luisa Neubauer und Greta Thunberg wahrscheinlich ohnehin nicht.


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