Eines muss man dem Bundesgesundheitsminister lassen: Das Lügen mit Statistik beherrscht her bis sich die Balken biegen. Jetzt hat er also die Inzidenz als Richtwert kassiert. Angeblich nimmt er mit dieser Abkehr von der umstrittenen Größe die seit langen geäußerte Kritik auf und bringt sich und seine Behörde auf den neuesten Stand. Sagt er.
Wer Jens Spahn in den letzten 16 Monaten erlebt hat, weiß, dass dieser Kurswechsel einen tieferen Sinn hat und der hat wenig mit Freiheit zu tun. Denn statt der Inzidenz wird jetzt die Belegung der Intensivbetten als Kennwert genommen. Diese an sich gute Idee stammt nicht vom Gesundheitsminister, sondern von diversen Experten, die wirklich vom Fach sind. Schließlich entstanden die kritischen Situationen während der Pandemie in Italien, als die Intensivstationen niemanden mehr aufnehmen konnten - eine Situation, die sich in Deutschland zu keinem Zeitpunkt ergab.
Auch momentan sieht es nicht danach aus. Der Tagesreport des Intensivbettenregisters meldet für heute eine Auslastung von nicht einmal 50 Prozent insgesamt. Außer in zwei Landkreisen sind die wenigsten davon sind Corona-Patienten. Mit anderen Worten: Die Grundlage für die epidemische Notlage sind nicht mehr gegeben.
Doch Jens Spahn denkt nicht daran, die Notlage allgemein aufheben zu lassen. Dabei beruft es sich nicht auf die Zahl der freien Betten auf Intensivstationen. Nein, der CDU-Politiker zaubert ein neues Kaninchen aus dem Hut: Den Anteil der Ungeimpften an den Intensivpatienten. Der liege bei 90 Prozent.
Das aber ist Lügen mit Statistik in Reinkultur. Denn der Anteil der Ungeimpften an den Patienten tut nichts das geringste zur Sache, solange die Zahl der Patienten klein ist. Und das ist sie. Aber, das weiß Spahn, 90 Prozent klingt für jeden, der es hört nach sehr viel. Der Bürger wird schließen: Die Ungeimpften sind das Problem. Und Spahn kann neuerlich fordern, alle zu impfen, am besten alle Kinder gleich mit.
Und noch etwas erreicht der Gesundheitsminister: Werden keine Inzidenzen mehr berechnet, merkt keiner mehr, wie hoch der Anteil der Infizierten trotz Impfung noch ist.
Man kann das Vorgehen von Jens Spahn raffiniert nennen - oder einen gezielten Betrug. Das Ziel bleibt dasselbe: Die gesunden Ungeimpften sollen gezwungen werden, sich impfen zu lassen. Dafür ist Spahn keine statistische Lüge zu schäbig.


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