Robert-Koch-Institut und Gesundheitsminister stochern im Dunklen

Lauterbach_ Ich beschaffe mir gerade ein Gesamtbild zur Lage

Karl Lauterbach besorgt sich die Zahlen zur Corona-Pandemie in Eigenregie. Die Aufgabe eines Ministers ist das nicht.

Auch im zweiten Jahr der Corona-Epidemie liefern die deutschen Behörden noch immer am Wochenende keine Daten und über die Feiertage wird eben gefeiert. Daten zu Neuinfektionen und Hospitalisierung gibt es jedenfalls nicht – was der Gesundheitsminister Karl Lauterbach auch noch frech eingesteht, um sich dann sachlich zu geben: »Ich beschaffe mir gerade mit dem RKI und zahlreichen Datenquellen aus ganz Deutschland ein Gesamtbild zur Lage.«

Der SPD-Minister weiß also, dass die Datenlage seines Ministeriums eher mau ist. Die Dynamik der Omikron Variante werden in den aktuellen Zahlen nicht zutreffend abgebildet. Der Grund: »Testausfälle und Meldeverzögerungen«. Nach fast zwei Jahren Pandemie stehen die entscheidenden Daten nicht zur Verfügung und der Minister prahlt damit, sich die Daten selbst zu besorgen – zusammen mit Tierarzt Dr. Wieler, dem Chef des Robert-Koch-Instituts.

Wie haben wir uns das vorzustellen? Sitzt der 58-jährige Politiker mit dem 60-jährigen Wieler zusammen am PC und googelt unter dem Stichwort »Inzidenz«, »Hospitalisierung« und »nächste Talkshow«? – Laut Bild hat Lauterbach die »die zuständigen Behörden in den Landkreisen auf dem Kieker.« Denn trotz der Notlage pandemischen Ausmaßes und der drohenden Omikron-Welle wurde das Testen und auch die Kontaktnachverfolgung in vielen Landkreisen stark heruntergefahren, zum Teil sogar ganz gestoppt. Und das, obwohl 6.500 Soldaten im Einsatz sind.

Dass die Behörden lieber Weihnachten feiern, statt zu testen, ist den leitenden Behörden durchaus bekannt. Vor den Feiertagen hatte RKI-Chef Wieler die Datenlücke angekündigt. Doch Karl Lauterbach hinkt wie seine Behörden hinterher. Die Kontaktnachverfolgung, das bekanntermaßen wichtigste Mittel der Kontrolle der Pandemie, wurde nur noch lückenhaft umgesetzt.

Also muss der Minister selber ran. Noch einmal Lauterbach: »Ich beschaffe mir gerade mit dem RKI und zahlreichen Datenquellen aus ganz Deutschland ein Gesamtbild zur Lage.« Ein Minister, der die Hilfsaufgaben seiner Behördenmitarbeiter selbst in die Hand nehmen muss – dilettantischer und erbärmlicher geht es wohl kaum noch.

Dass seine Rolle als Minister eine andere ist, als in den vergangenen Monaten, in denen Lauterbach mit selbstgestrickten Modellen die Talks-Shows aufgemischt hat, scheint dem SPD-Politiker noch immer nicht zu dämmern. Jetzt muss er Verantwortung übernehmen und leiten, damit es zu solchen Datenlücken nicht kommt. Das aber gelingt ihm offenbar nicht.

Sven von Storch

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