Gesundheitsminister Karl Lauterbach bleibt sich treu: Statt Einsicht in seine Fehlentscheidungen zu zeigen, teilt er gegen seine Kritiker aus. Dazu zählen ganz oben all jene, die für den Herbst eine »flache Corona-Welle« erwarten, wie zum Beispiel Wolfgang Kubicki. Eine Prognose, die dem ›Angstminister‹ nicht gefallen kann.
»Das sind epidemiologisch und virologisch abwegige Positionen«, behauptet Lauterbach gegenüber dem ›Spiegel‹. Anschließend gefragt, ob der FDP-Politiker Quatsch rede, tönte der SPD-Politiker ohne auch nur einen Hauch von Selbstironie: »Ja, auf jeden Fall«. Epidemien sind »bekannterweise nicht seine Stärke«.
Lauterbach fährt fort, Kubicki habe mittlerweile eine ganze Geschichte Fehleinschätzungen zur Corona-Politik hinter sich. »Dass er auch diesmal wieder falsch liegt, kann niemanden überraschen«. – Wie gesagt: Es geht um eine Prognose, nicht um Fakten! Und bei Prognosen liegt man erst falsch, wenn sich das Gegenteil allen gezeigt hat und nicht schon vorher, Herr Lauterbach. Aber ›vorher‹ und ›nachher‹ zu unterscheiden, ist bekanntermaßen nicht Lauterbachs Stärke.
Anschließend verbreitet der Bundesgesundheitsminister die mittlerweile schon üblichen Fake-News. »Wenn jemand den Sommer genießen und kein Risiko eingehen will zu erkranken«, behauptet der selbsternannte Fachmann, »dann würde ich in Absprache mit dem Hausarzt auch jüngeren die Impfung empfehlen«. Dabei beweist jede Statistik, dass die Impfung weder vor Infektionen noch vor Krankenhausaufenthalten sicher schützt und Jüngere sind ohnehin so gut wie sicher. Nur Lauterbach weiß das noch nicht.
Aber dafür die Stiko! Die Ständige Impfkommission, ein Gremium aus Fachleuten ohne Hauptschulempfehlung, wie sie die den SPD-Politiker bis heute verfolgt. Die Stiko hat, anders als der Gesundheitsminister, bisher lediglich für über 70-Jährige eine Empfehlung für eine vierte Impfung ausgesprochen. Darauf hingewiesen, dass die Wissenschaftler anderer Meinung sind als der Herr Minister, wird Lauterbach deutlich: »Ich glaube, dass wir uns Gedanken machen müssen, wie in der Arbeit der Stiko mehr Dynamik bekommen.«
›Wir‹, das soll wohl Karl Lauterbach sein. Und was Lauterbach mit Dynamik meint, das wissen alle, die den Minister in den vergangenen Monaten in Talks-Shows bei seinem ministeriellen Arbeiten beobachten durften: Den an Omikron angepasste Impfstoff, den der 59-Jährige für August oder Anfang September erwartet, könnte man auch nach der vierten Impfung noch nehmen.
Interessant ist die Begründung des Ministers: Jetzt muss plötzlich Long Covid herhalten. Wie eine Impfung im August oder September nachträglich gegen Long Covid schützen soll, erklärte Lauterbach nicht. Wie auch. Es geht nicht. Es ist Quatsch.
Realität wird aber werden: Die Impfung mit dem im August oder September zur Verfügung stehenden neuen Impfstoff nach der vierten Impfung. Und was kommt nach der Vier! Richtig: Die Fünf. Lauterbach plädiert für eine weitere Impfung. Das wäre die fünfte in nicht einmal zwei Jahren.


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